Von Hans Peter Wollseifer

Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks (ZDH) und Präsident der Handwerkskammer zu Köln

Klimaschutz, Nachhaltigkeit, Mobilitätswende, Digitalisierung, demografischer Wandel – die Herausforderungen, vor denen Deutschland steht, sind gewaltig. Genau wie die Möglichkeiten, die sich daraus ergeben. Für das Handwerk steht fest: Unser Land muss seine Zukunftschancen mutiger nutzen, um weiter erfolgreich zu bleiben. Diese Erkenntnis schlägt sich mittlerweile auch in den Wahlprogrammen der Parteien nieder. Doch Papier ist geduldig. Entscheidend ist die Frage: Wer setzt das alles um?

Klar ist: Ohne das Handwerk lässt sich die Zukunft unseres Landes nicht gestalten. Es sind Handwerkerinnen und Handwerker, die Häuser dämmen, Ladesäulen für E-Autos aufstellen, Solardächer installieren und altersgerechte Bäder bauen. Was die Politik als Vision formuliert, setzen unsere Betriebe und Beschäftigten schon jetzt ganz praktisch um. Und werden das auch künftig tun.

Wie wichtig die genannten Zukunftsfelder für das Handwerk sind, zeigen ein paar Zahlen. Das deutsche Handwerk umfasst über eine Million Betriebe mit 5,5 Millionen Beschäftigten. Davon arbeiten bereits jetzt rund 450.000 Betriebe und fast 2,5 Millionen Beschäftigte in den Bereichen Klima- und Umweltschutz, Energie- und Mobilitätswende. Aber das Zukunftsengagement des Handwerks geht weit über die genannten Bereiche hinaus. Mit seinen 130 Berufen hat das Handwerk übrigens auch im Bereich der Nachhaltigkeit viel anzubieten. Sanieren, reparieren, ressourcenschonend produzieren –Tradition und Zukunftsorientierung gehen da Hand in Hand.

Fachkräfte wachsen nicht auf Bäumen

Kurzum: Das Handwerk macht und sichert Zukunft. Damit das so bleibt, kommt der Fachkräftesicherung eine entscheidende Rolle zu. Nur wachsen Fachkräfte eben leider nicht auf Bäumen. Wir müssen sie ausbilden und über Jahre entwickeln. Für das Handwerk gehört das zum Selbstverständnis. Ausbildung ist für uns seit jeher eine Verpflichtung und Vorsorge für die Zukunft. Wir brauchen junge Menschen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen in einem sinnstiftenden Beruf, der sich nicht nur persönlich lohnt, sondern am Ende auch unsere Gesellschaft voranbringt.

Doch die Lage auf dem Ausbildungsmarkt ist alles andere als einfach, was durch die Pandemie zusätzlich verschärft worden ist. Viele Betriebe suchen händeringend Personal – und Nachwuchs. Im vergangenen Jahr sind die Ausbildungszahlen massiv eingebrochen: um 7 Prozent im Handwerk, in Industrie und Handel sogar um rund 11 Prozent. Zwar nehmen die Zahlen im laufenden Jahr wieder zu. Doch über den Berg sind wir noch lange nicht. Der Sommer der Berufsbildung, den der Zentralverband des Deutschen Handwerks gerade mit vielen weiteren Partnern der Allianz für Aus- und Weiterbildung gestartet hat, soll dabei helfen, Betriebe und interessierte Menschen wieder besser zusammenzubringen.

Es gibt also viel zu tun, um den Rückgang bei den Ausbildungszahlen aufzuholen und den steigenden Fachkräftebedarf zu sichern. Dazu muss vor allem die berufliche Ausbildung gestärkt werden. Das ist auch ein klarer Auftrag an die politischen Parteien. Wir brauchen mehr Wertschätzung der Politik für das, was unsere Betriebe jeden Tag bei der Ausbildung leisten. Nicht nur mit warmen Worten, sondern auch mit spürbarer Entlastung. Wir brauchen mehr Unterstützung für Auszubildende, etwa durch Azubitickets. Und vor allem: Wir brauchen vor allem eine echte Gleichwertigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung.

Jedem muss bewusst sein: Ohne Fachkräfte wird die Transformation nicht gelingen. Bundeskanzlerin Merkel, die den Sommer der Berufsbildung unterstützt, hat es auf den Punkt gebracht: „Die duale Ausbildung kann gerade in diesen Zeiten der Weg in eine erfolgreiche Zukunft sein.“ Recht hat sie. Wir brauchen die Fachkräfte von morgen, die Wohlstand und Wirtschaftskraft in unserem Land langfristig sichern. Nur so sorgen wir für dafür, dass eine gute Zukunft nicht nur auf dem Papier stattfindet.