Von Heinz-Herbert Dustmann

Präsident der Industrie- und Handelskammer zu Dortmund

Den Start in die 2020er Jahre haben wir uns sicherlich anders vorgestellt. Von echter Aufbruchstimmung in ein neues Jahrzehnt zumindest kann kaum die Rede sein. Das ist, seien wir ehrlich, angesichts von Coronavirus, weiterhin schwelender globaler Handelsstreitigkeiten und Brexit-Frust, um nur einige negative Faktoren zu nennen, auch verständlich. In unserer aktuellen Konjunkturumfrage zeigen sich zehn Prozent der befragten Unternehmen in Dortmund, Hamm und dem Kreis Unna unzufrieden mit ihrer aktuellen Geschäftssituation, was verglichen mit den vergangenen vier bis fünf Jahren schon eine spürbare Abkühlung der Stimmung darstellt. Doch das allein ergibt noch kein vollständiges Bild. Denn gleichzeitig, und das sollten wir uns deutlich vor Augen führen, bewerten neun von zehn Betrieben ihre Lage mit befriedigend oder sogar gut. Das ist selbst bei nüchterner Betrachtung ein hervorragender Wert, der deutlich macht, dass unsere Wirtschaft zukünftigen Herausforderungen mit Optimismus und Selbstbewusstsein begegnen sollte.

Jeder Unternehmer weiß, dass es Mut braucht, um erfolgreich zu sein. Diesen Mut müssen wir jetzt wieder unter Beweis stellen. Etwa, wenn es darum geht, die digitalen Veränderungen aktiv anzugehen, ausgetrampelte Pfade zu verlassen und neue Technologien mitzugestalten. Diese Bereitschaft haben wir schon immer gezeigt, oft sogar zeigen müssen, denn für unsere Region ist der Strukturwandel seit rund 35 Jahren ein Dauerzustand. Dass wir ihn erfolgreich gestalten, zeigt die bundesweit beachtete Allianz „Smart City Dortmund“, in der sich neben der Stadt Dortmund und der IHK rund 140 Partner aus der Wirtschaft zusammengeschlossen haben. Kein Wunder also, dass der Digitalverband Bitkom Dortmund unter die Top Ten der „Smart Cities“ einstuft und die Bundesregierung erst im Oktober ihren Digitalgipfel hier vor Ort veranstaltete.

Mut und Entschlossenheit müssen wir auch weiterhin beweisen, wenn es darum geht unseren Weg beim nachhaltigen Klimaschutz fortzusetzen und uns nicht beirren zu lassen. Leider wird oft verkannt, dass wir uns dieses Themas schon vor vielen Jahren angenommen haben. Allerdings tun wir es ruhig und besonnen, Aktionismus ist hier fehl am Platz. Damit die Energiewende ein Erfolg wird, braucht es einen marktorientierten, koordinierten und verlässlichen politischen Rahmen, eine sichere und leistungsfähige Energieinfrastruktur und eine Energiepolitik, welche auch die Unternehmen in den Fokus nimmt und damit zugleich zukunftsweisende Wirtschaftspolitik ist. Die Stadt Hamm hat dies erkannt und nimmt mit ihrem Klimaschutzkonzept und der neuen Klimaschutzagentur innerhalb von Nordrhein-Westfalen sicherlich eine Vorreiterrolle ein.

„Damit die Energiewende ein Erfolg wird, braucht es einen marktorientierten, koordinierten und verlässlichen politischen Rahmen, eine sichere und leistungsfähige Energieinfrastruktur und eine Energiepolitik.“

Mut gehört auch dazu, neue Methoden der Personalgewinnung auszuprobieren. Der Fachkräftemangel ist eines der größten Risiken bei der wirtschaftlichen Entwicklung unserer Unternehmen. Schätzungen zufolge werden in zehn Jahren rund 700.000 Arbeitskräfte in Nordrhein-Westfalen fehlen. Wer also zukünftig ausreichend qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben möchte, wird beim Recruiting innovative und kreative Konzepte entwickeln müssen. Vieles muss um- oder sogar neu gedacht werden. Es gilt neue Zielgruppen zu erschließen, familienbewusste Personalpolitik zu betreiben oder aber geflüchtete Menschen noch besser in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Fachkräftesicherung ist eine der zentralen Herausforderungen für unsere Wirtschaft – und für dieses wichtige Thema braucht es eine starke Allianz. Aus diesem Grund haben wir als IHK zusammen mit der Handwerkskammer, den Arbeitsagenturen in Dortmund und Hamm, dem DGB und dem Handelsverband das „Bündnis für Fachkräfte Westfälisches Ruhrgebiet“ geschlossen. Ziel ist es, unsere Kompetenzen noch weiter zu bündeln und zu vernetzen. Denn gemeinsam sind wir noch stärker.

Mut zu beweisen, ist gerade in diesen Zeiten manchmal auch ganz einfach. Indem wir zum Beispiel Selbstverständliches betonen: Die deutsche Wirtschaft tritt entschieden für Weltoffenheit und gegen Ausländerfeindlichkeit ein. Eine entsprechende Resolution hat die DIHK-Vollversammlung bereits im November 2018 verabschiedet. Weltoffenheit, Toleranz und grenzüberschreitender Austausch zahlen sich nicht nur in der Handelsbilanz aus. Sie sind zentrale Werte unseres auf Zusammenarbeit, Kreativität und Entfaltung angelegten Wirtschaft- und Gesellschaftsmodells.

Ich wünsche uns allen etwas mehr Mut, Zuversicht und den festen Glauben an die eigenen Stärken. Das tut uns gerade in diesen Zeiten gut.