Von Frank Löllgen

Landesbezirksleiter IG BCE Nordrhein

Unser Land befindet sich im Umbruch: Der demografische Wandel, die Energiewende, neue Mobilitätsformen und die Digitalisierung sind nur einige von vielen Trends, die unsere Gesellschaft und unsere Heimat nachhaltig verändern werden. Als zweitgrößte Industriegewerkschaft in Deutschland gestalten wir diesen Umbruch gemeinsam mit unseren Sozialpartnern.  Starke Tarifverträge, die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern gute Arbeitsbedingungen ermöglichen, sind in unseren Branchen die Regel und sorgen für die Unternehmen für Fairness im Wettbewerb und schaffen Planbarkeit für beide Seiten.

Auch den Wandel innerhalb der Unternehmen, beispielsweise im Kontext des demografischen Wandels, des Fachkräftemangels oder der Digitalisierung, können wir mit unserem Know-How und in enger Zusammenarbeit mit unseren Betriebsräten und den Sozialpartnern mitgestalten.

Wir wissen, dass vor allem steigende Rohstoffpreise und internationale Handelskonflikte für Verunsicherung in den häufig exportabhängigen Unternehmen und deren Belegschaften sorgen. Auch lange Genehmigungsverfahren oder mangelnde Investitionen in unsere Infrastruktur verursachen Unsicherheiten. Vor allem die chemische Industrie ist im hohen Maße abhängig von der schnellen Umsetzung neuer Technologien und Produktionsverfahren, von bezahlbaren Energie- und Rohstoffpreisen.

„Jetzt wird es darauf ankommen, Strukturen zu schaffen, damit Nordrhein-Westfalen auch weiterhin ein attraktiver und innovativer Industriestandort bleibt.“

Nordrhein-Westfalen ist einer der stärksten Industriestandorte weltweit. Die damit zusammenhängenden Arbeitsplätze sind in der Regel tarifgebunden und gut bezahlt. Von der ersten chemischen Reaktion bis hin zum fahrfertigen Auto – in kaum einem anderen Land besteht so eine enge Verkettung zwischen Industrieunternehmen und -branchen auf so engem Raum. Wenn ein Element in der komplexen Wertschöpfungskette unter Druck gerät, wirkt sich dies auf alle voneinander abhängigen Komponenten aus. Damit das auch in Zukunft so bleibt, müssen wir gemeinsam – Gewerkschaften, Arbeitgeberverbände und Politik – die Weichen für die Zukunft stellen. Von den industriepolitischen Perspektiven und einer sozial ausgewogenen Energiewende werden nicht nur hunderttausende Arbeitsplätze, sondern gute Arbeit und gelebte Mitbestimmung abhängen. Gewerkschaften und die Landesregierung führen daher einen konstruktiven Dialog. Jetzt wird es darauf ankommen, Strukturen zu schaffen, damit Nordrhein-Westfalen auch weiterhin ein attraktiver und innovativer Industriestandort bleibt und die Beschäftigten im Mittelpunkt dieser Transformation stehen und Unterstützung erhalten.

Aus Sicht der IG BCE sind folgende Punkte entscheidend:

  • Die Stärkung der Tarifbindung, um gute Arbeitsbedingungen für hervorragend ausgebildete Fachkräfte zu erhalten und den Wettbewerb zu regulieren.
  • Eine planbare Energieversorgung und bezahlbare Strompreise, um energieintensive Industrien und Wertschöpfungsketten mit tarifgebunden Arbeitsplätzen im Land zu erhalten.
  • Investitionen in Forschung und Entwicklung, damit auch künftig die Zukunftstechnologien „Made in Nordrhein-Westfalen“ sind.
  • Verkürzung von Planverfahren und eine schnellere Realisierung von Großprojekten, um die Infrastruktur in und um die Unternehmen zukunftsfest zu machen.
  • Eine Investitionsoffensive in unsere Infrastruktur, damit wir auch weiterhin ein attraktives Land für Arbeit und Leben bleiben.
  • Deutliche Stärkung und Ausweitung der Qualifizierung von Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, um sie für den strukturellen Wandel vorzubereiten, und die Ausbildung neuer Fachkräfte.
  • Klarheit für das rheinische Revier, damit die vom Braunkohleausstieg betroffenen Kolleginnen und Kollegen, die jungen Menschen in der Region auch zukünftig berufliche Perspektiven haben.

Die Zukunft bringt viele Herausforderungen mit sich. Als Zukunftsgewerkschaft sind wir bereit, sie zu meistern – gemeinsam mit unseren Sozialpartnern und der Politik.