Von Patrick Kleine-Cosack

Geschäftsführender Gesellschafter der Cosack GmbH & Co. KG

Der NRW Wirtschaftsblog als Forum zum Gedankenaustausch befasst sich immer wieder mit der Frage, wie der Wirtschaftsstandort NRW vorangebracht werden kann. Dazu gibt es – glücklicherweise – zahllose Ansätze. Doch so viel es auch Unterschiedlichstes dazu zu sagen oder schreiben gäbe, in diesen Zeiten kreisen die Gedanken aller um das eine Thema: Corona.

Stündlich ändern sich die Informationen darüber wie gefährlich, wie übertragbar und wie und ob diese Krankheit zu bekämpfen ist. Selbst sachlichste Zeitgenossen sieht man dieser Tage die Grenzen ihrer Geduld erreichen, wenn sie bemerken, dass sich Aussagen seriöser Medien, Wissenschaftler und Forschungsinstitute nicht decken oder gar widersprechen – so neu, so ungekannt ist die Situation.

Die Frage, wie Nordrhein-Westfalen als Wirtschaftsstandort und damit als Ort zum Leben vorankommen kann, ist also nun nicht nur wichtig so wie immer, sondern hochaktuell und das, so unterstelle ich, in den Köpfen von vielmehr Menschen als sonst. Denn die Sorge vor dem Verlust des Arbeitsplatzes geht um, quer durch die Wirtschaft. Doch der Reihe nach.

Als einer von zwei Geschäftsführern eines mittelständischen, sauerländischen Verpackungsunternehmens befasse ich mich seit rund drei Wochen hauptsächlich mit „Coronaprävention“ in allen Facetten. Abgesehen davon, dass Corona und die Frage des Wirtschaftsstandorts NRW verknüpft sind, liegt es also hier erst recht auf der Hand diese Verknüpfung aufzugreifen, habe ich doch ohnehin zurzeit wenig Anderes im Kopf.

Alles Handeln in den vergangenen und vermutlich auch den nächsten Wochen und Monaten in diesem Zusammenhang dreht sich um zwei Themenfelder, welche auch die beiden großen Gefahrenherde darstellen:

  1. Die Frage der Gesundheit jedes Einzelnen im Unternehmen und der Gesellschaft.
  2. Die Frage nach dem Schutz des Unternehmens und seiner Arbeitsplätze.

Beides gilt es unbedingt zu wahren und zwar zumindest insoweit, als es in unserer Macht steht. Für beide diese Themenfelder wurden bei Cosack verschiedene Maßnahmen ergriffen, ähnlich wie in sehr vielen anderen Betrieben auch. Auf den Maßnahmenkatalog, der täglich aktualisiert und im Unternehmen kommuniziert wird, gehe ich hier nicht im Einzelnen ein, sondern möchte, wie schon aus dem Titel hervorgeht, auf die beiden übergeordneten Gefahren und die darin implizit vorhandenen Chancen eingehen, gespeist aus den Erfahrungen und Gedanken der vergangenen Wochen.

1)

Zunächst zur Gefahr für die Gesundheit jedes Einzelnen. Die Gefahr ist ganz offenbar größer als etwa jene, die von der Influenza ausgeht. Leider wird dies jedoch von vielen Menschen noch nicht ernst genommen, bei der Arbeit, aber vor allem im Privatleben. Dabei gibt es viel, was getan werden kann, um die Gefahren zu verringern, wie etwa Abstand halten, das Meiden sozialer Veranstaltungen etc. Zu letzteren zähle ich auch etwa gemeinsame Abendessen mit einer Hand voll Freunden. Es steht uns allen frei, unser Sozialleben nach der Hochphase dieser Epidemie so fortzuführen, wie es zuvor der Fall war. Warum können also einige Wenige nicht für einen kurzen Zeitraum solche Aktivitäten einschränken? Sie würden der Gesellschaft einen so großen Dienst erweisen. Dieser sollte eigentlich selbstverständlich sein, ist es aber offenbar in Deutschland im Jahr 2020 nicht überall.

Alles, was in Unternehmen für den Erhalt der Gesundheit getan werden kann, muss getan werden. Selbst wenn manche Maßnahmen dabei in den vergangenen Wochen (zunächst) auf Unverständnis gestoßen sind, ist es in der Verantwortung jedes Arbeitgebers alle vertretbaren und notwendigen Schutzmaßnahmen zu ergreifen. Die Struktur einer Firma bietet dabei die Möglichkeit dies auch durchzusetzen. Im Privatleben ist dies in einem freiheitlichen Rechtsstaat wie dem unsrigen richtigerweise nicht gegeben. Implizit sind mit den Annehmlichkeiten unserer aufgeklärten Demokratie deshalb moralische Pflichten verbunden. Wir werden sehen wie wir uns in dieser Disziplin schlagen.

2)

Zur Gefahr für das Unternehmen und seine Arbeitsplätze. Diese Problematik und die Sorge nach der Gesundheit jedes Menschen sind ebenfalls fest miteinander verwoben. Schutzmaßnahmen am Arbeitsplatz und auch in der Freizeit können einen großen Beitrag leisten, um die Anzahl der Erkrankungen pro Betrieb zu minimieren und falls Erkrankungen auftreten, zeitlich so zu strecken, dass ein Unternehmen produktionsfähig bleibt, auch wenn Erkrankte und ihre Kontaktpersonen in Behandlung bzw. Quarantäne sind.

Für eine gute Vorsorge im Unternehmen ist einerseits der gesunde Menschenverstand von Arbeitgeber und Arbeitnehmer wichtiger Grundstein und damit Bringschuld des Unternehmens.

Es gibt aber auch eine Holschuld und mit dieser hatte ich bis vor wenigen Tagen große Probleme: Alle von uns gesetzten Präventionsmaßnahmen kreisten neben dem Schutz der Gesundheit jedes Einzelnen auch immer um die Frage wie und nach welchen Kriterien, welche Mitarbeiter im Falle eines Erkrankten in Quarantäne geschickt würden. Die Sorge, dass Unternehmen etwa als Ganzes für zwei Wochen in Quarantäne geschickt werden könnten, war bzw. ist nach wie vor eine große. Solche Maßnahmen, wenn sie denn ergriffen würden, könnten mit einem Schlag ein gesundes Unternehmen vor existentielle Herausforderungen stellen.

„Selbst wenn manche Maßnahmen dabei in den vergangenen Wochen auf Unverständnis gestoßen sind, ist es in der Verantwortung jedes Arbeitgebers alle vertretbaren und notwendigen Schutzmaßnahmen zu ergreifen. „

In vielen Gesprächen mit lokalen und regionalen stets sehr hilfsbereiten Verantwortungsträgern stellte sich immer wieder heraus, dass Unternehmen wie auch die Politik vor Ort einen Regelkatalog in dieser Frage dringend suchten. Ein Katalog, der Anhaltspunkte gibt, was getan werden kann, um das Risiko von (Teil-) Betriebsschließungen deutlich zu senken oder vielleicht gar zu vermeiden. Dieser könnte, analog zu Maßnahmenplänen in Unternehmen, fortwährend den aktuellen Gegebenheiten und Erkenntnissen angepasst werden. Ihn aufzusetzen würde kein Geld kosten, vielen Seiten unnötige Mühen ersparen und eventuell auch Sorgen nehmen. Erst vor wenigen Tagen konnte ich, nach längerer Suche nach Antworten, hierzu in individueller Abstimmung mit einer lokalen Behörde mehr in Erfahrung bringen und Klarheit gewinnen.

Ich möchte betonen, dass alle Personen, mit denen ich gesprochen habe, egal wo, immer zu helfen versuchten. Auch ihnen wäre mit entsprechenden Regelungen sehr geholfen. Wenn diese außerdem gut kommuniziert würden, trüge dies obendrein zur Entlastung gerade der Behörden bei, deren Ressourcen in dieser Zeit besonders wertvoll und knapp sind.

Doch eine Situation wie diese bietet auch Chancen. So können wir als Gesellschaft gestärkt und besser aus dieser Zeit hervorgehen, wenn jeder seinen Teil beiträgt. Unsere Gesellschaft bekommt dabei gerade eine Lehrstunde in Solidarität und Beschränkung ihres eigenen Vergnügungsdrangs. Leider ist diese Lehrstunde, wie das Verhalten mancher immer noch zeigt, notwendig. Wenn es gelingt sie anzunehmen, birgt dies jedoch die Chance, uns als Gesellschaft positiv weiterzuentwickeln.

Eine weitere Chance besteht in der guten Aufarbeitung des Corona-Krisenmanagements der Politik, nachdem diese Zeit durchgestanden ist. Obwohl selbst überzeugt vom Föderalismus, muss anerkennt werden, dass eine solche Lage mehr Einheitlichkeit und damit Klarheit erfordert. Beispielhaft und für die Wirtschaft immens wichtig ist der angesprochene Mangel einer klaren Richtschnur zur Quarantänevorbeugung für Unternehmen.

Auch innerhalb von Unternehmen ergeben sich bei der aktuellen Lage der Dinge Chancen. Ein Beispiel hierfür ist die Weiterentwicklung von IT-Kenntnissen in der Belegschaft: Um Gesundheitsrisiken zu verringern, werden Abteilungen räumlich getrennt, Mitarbeiter arbeiten von zu Hause, Schichten werden versetzt etc. Zusammenarbeit und Kommunikation müssen so neu gedacht werden und erreichen neue Ebenen, die unter alltäglichen Umständen niemals so schnell erreicht würden.

Wenn auch oft zu Recht, so wird über die zahlreichen Risiken doch allerorten hinlänglich diskutiert. Deshalb war es mir ein Anliegen, hier beide Seiten gleichermaßen – also Gefahren und Chancen anzusprechen. Die Liste der Chancen, welche bisher ungekannte Problemstellungen wie die Corona-Thematik mit sich bringen, könnte an dieser Stelle noch fortgesetzt werden. Etwa unter Einbezug von Umweltaspekten – hier zeigt sich bereits mancherorts, wie schnell eine Erholung der Natur einsetzen kann, wenn sich die Gegebenheiten verändern.

In dieser ernsten Lage, mit Blick auf den Schutz der Gesundheit jedes Menschen, sowie den Erhalt der Unternehmen und Arbeitsplätze, liegt es an uns, sich ergebende Chancen im Sinne der sozialen Marktwirtschaft zu interpretieren und so den Wohlstand als Grundlage einer vitalen, liberalen Demokratie in NRW und in Deutschland zu erhalten.