Von Dr. Johannes Teyssen

Chief Executive Officer E.ON SE

Wenn Ende Dezember die Zeche Prosper-Haniel in Bottrop schließt, ist der aktive Ruhrbergbau Geschichte geworden – die stolze Geschichte eines Wirtschaftszweiges und seiner in der Spitze fast eine halbe Million Mitarbeiter, denen Deutschland viel zu verdanken hat. Sie haben über viele Dekaden zusammen mit den Beschäftigten in Kraftwerken und Stromnetzen, die noch lange unverzichtbar bleiben, die Sicherheit der deutschen Energieversorgung garantiert. Dafür gebührt ihnen allen der Dank des ganzen Landes.

Ich will den Strukturwandel im Revier nicht rückblickend verklären, aber im Revier ist es weitaus besser gelungen, Brüche zu vermeiden, als in anderen altindustriellen Regionen der Welt. Wird uns das auch in Zukunft gelingen, wenn die Digitalisierung mit wachsender Dynamik alle Branchen erfasst und disruptive Geschäftsmodelle praktisch jedes Unternehmen herausfordern werden? Ich bin hier vorsichtig optimistisch: Vorsichtig, weil Breite und Dynamik des gegenwärtigen Wandels alles Bisherige übersteigen; optimistisch, weil ich sehe, was sich im Lande tut. Wir haben eine vielseitige Forschungslandschaft von Bochum bis Aachen, wir haben hungrige Startups wie etwa in Essen und wir haben nach wie vor eine Mentalität des „zupacken – nicht jammern“. Kurz gesagt, hat der Pragmatismus des Ruhrgebiets nichts von seiner Kraft verloren. Wir setzen uns zusammen und überlegen gemeinsam, was zu tun ist – und mehr noch: Wir tun es dann oft genug auch. Deshalb begrüße ich die Initiative der Landesregierung sehr, in einem Dialogprozess mit allen Beteiligten systematisch Lösungen für die Schlüsselprobleme zu erarbeiten.

Gerade in disruptiven Zeiten braucht ein erfolgreicher Strukturwandel Unternehmen, die sich radikal neu erfinden, ohne Trümmer zu hinterlassen. Bei E.ON war dies unsere Richtschnur bei unseren tiefgreifenden strukturellen Veränderungen in den letzten Jahren. Dies galt für die Abspaltung des konventionellen Kraftwerksgeschäfts und des internationalen Energiehandels in die Uniper, deren Anteile wir mehrheitlich an unsere Aktionäre gegeben und unseren verbliebenen Anteil an die finnische Fortum veräußert haben. Uniper hat sich äußerst erfolgreich entwickelt und geht jetzt mit berechtigtem Selbstvertrauen in die Zusammenarbeit mit Fortum.

„Gerade in disruptiven Zeiten braucht ein erfolgreicher Strukturwandel Unternehmen, die sich radikal neu erfinden, ohne Trümmer zu hinterlassen. „

Der Anspruch, auch bei großen Veränderungen verantwortungsbewusst zu handeln, gilt für uns selbstverständlich auch bei der Neuordnung der Aktivitäten gemeinsam mit RWE und innogy. Im Ergebnis dieser Transaktion, deren Kern die Übernahme von innogy durch E.ON ist, wird sich E.ON mit intelligenten Netzen und innovativen Kundenlösungen auf Wachstumsmärkte der neuen Energiewelt konzentrieren, während RWE nahezu sämtliche Erneuerbaren Aktivitäten von uns und innogy erhält und sich so eine zukunftsfähige unternehmerische Perspektive als spezialisierter Energieerzeuger erschließt.  Für die maximal rund 5.000 Arbeitsplätze, die von Synergien betroffen wären, haben wir erste Rahmenvereinbarungen u. a. mit den Gewerkschaften IGBCE und Verdi abgeschlossen. Angesichts von insgesamt 70.000 Mitarbeitern der neuen E.ON und jährlich mehreren Tausend Neueinstellungen bin ich zuversichtlich, dass für die betroffenen Mitarbeiter sozialverträgliche Lösungen gefunden werden. Entscheidend ist, dass mit dem Wachstum unserer Geschäfte in der neuen Energiewelt tausende neuer attraktiver Arbeitsplätze entstehen werden.

So sehen wir in unserer Neuaufstellung nicht nur in der Art ihrer Realisierung, sondern vor allem auch in ihrer strategischen Logik einen Beitrag zu einem erfolgreichen Strukturwandel in Zeiten der Disruption: Wir öffnen in NRW, im Ruhrgebiet und in der Energiestadt Essen und von dort aus unternehmerische Wege in die neue Energiewelt. Wir sind Strukturwandel.