von Markus Gürne

Leiter der ARD-Börsenredaktion und Moderator des ARD-Wirtschaftsmagazins Plusminus

13.795 Punkte, das war der höchste Stand des deutschen Aktienindex (DAX), erreicht am 17. Februar 2020. Wie es aussieht, wird diese Marke eine ganze Weile Bestand haben. Denn nicht nur die Börse, sondern alles hat sich mittlerweile grundlegend verändert. Durch und mit einem Virus. Sars-CoV-2, gemeinhin als Corona-Virus bekannt. Das Virus und die Maßnahmen dagegen haben die Welt lahmgelegt. Unsere Gesellschaften und unsere Wirtschaften. Welche Folgen auf uns alle zukommen würden, konnte niemand ahnen. Dass es in einem hochentwickelten und führenden Industrieland der Welt zu Engpässen und großen Sorgen wegen Atemschutzmasken kommen könnte, die Cent-Beträge kosten. Oder dass in Deutschland ausgerechnet Toilettenpapier gehortet werden könnte. Wer hätte das im Ansatz gedacht?

Ich hatte eine leise Vorstellung von den Hygiene-Maßnahmen, die kommen könnten. Maßnahmen, wie sie mir im Vorfeld meiner Auslands-Korrespondentenzeit im Nahen Osten erstmals erzählt wurden und wie ich sie mit der Famile über Jahre anwandte. In Kairo, in Badgad und später, als es für einige Jahre nach Südasien ging mit festem Wohnsitz in Indiens Hauptstadt, Neu-Delhi. Wenig anfassen, oft Hände waschen, Abstand halten, Toilette desinfizieren. Alles ernst nehmen, aber nie in Panik geraten.

Zustände, mit denen wir nun seit geraumer Zeit leben. Gott sei Dank gehen die meisten Mitbürger*innen auch mit großer Disziplin und Achtsamkeit damit und miteinander um.

Politiker*innen, Experten, Virologen, benahe wir alle haben das Virus erst einmal unterschätzt. Und wir alle sind seit geraumer Zeit dabei, alles zu tun, um uns gegen die Krise und das Virus zu stemmen. Mit millardenschweren Hilfspaketen, mit Forschung, mit Informationen, mit Solidarität, mit zu Hause bleiben. Jeder und jede tut, was er oder sie kann.

Das Corona-Virus hat auf einen ganz wichtigen Teil unserer Gesellschaft, an den viele vor der Krise nicht immer dachten, der uns aber das Leben ermöglicht, das wir alle führen können mit großem Wohlstand und der schnell mit ins Zentrum der Aufmerksamkeit und aller Überlegungen in der Krise gelangt ist, massive Auswirkungen – unsere Wirtschaft. Ein gleichzeitiger Angebots- und Nachfrageschock ungeahnten Ausmaßes, eine kommende Rezession und Sorge um Millionen Arbeitsplätze. Von Angestellten und Selbstständigen. Ein Schock gigantischen Ausmaßes.

Aber wir können auch sehen, dass wir mit unserem Wirtschaftssystem trotz aller Unkenrufe und Kritik doch besser dastehen als viele andere Industriestaaten. Die „soziale Marktwirtschaft“ stellt sich in dieser Krise als recht widerstandsfähig heraus. Vorteilhafter als das marktliberale System der USA oder der Sozialismus. Zudem haben wir in Deutschland in den vergangenen Jahren gut gewirtschaftet. Schulden abgebaut und konnten es uns sogar leisten, Geld dafür zu verlangen, wenn jemand in die Sicherheit Deutschlands mittels Staatsanleihen investieren wollte. Vor der Krise war der Umgang mit der schwarzen Null ein ständiger Zankapfel, jetzt in der Krise stellt sich die schwarze Null als ein Glücksfall heraus.

„Je länger sich diese Krise zieht, umso mehr Hinweise gibt es darauf, dass wir sie überstehen werden und sogar gestärkt aus ihr hervorgehen können. Zwei starke Fundamente haben wir in Deutschland dafür. Eine starke Demokratie und eine starke Wirtschaft.“

Politik, Wirtschaft und Finanzen, die Zusammenhänge zwischen diesen dreien zu erklären und dazu noch die Auswirkungen auf die Gesellschaft und auch auf die einzelnen Bürger*innen, das ist allabendliches unser Ziel in der Sendung „boerse vor acht“ im Ersten unmittelbar vor der tagesschau. „Wir erklären Zusammenhänge“ ist unser erklärtes Motto seit 2012. Seit geraumer Zeit haben wir es erweitert um einen Virus namens Sars CoV-2 und seine Auswirkungen, die sich täglich neu definieren. Denn die Lage ändert sich ständig. Wirtschaftlich, politisch, gesellschaftlich. Das Virus und die Schutzmaßnahmen dagegen stellen Gesellschaften auf den Kopf, bremsen Wirtschaften aus.

Umso mehr steigt der Informationsbedarf. Wir merken das nicht nur in deutlich steigenden Reichweiten. Die steigen schon seit Jahren kontinuierlich an und lagen 2019 bei sehr erfreulichen 7,1 %. Durch das Virus, dass sich auch durch unsere Wirtschaft frisst, liegt die Reichweite nun nochmal höher. Neben den nackten Zahlen sind aber auch die Rückmeldungen und Zuschriften unserer Zuschauer*innen und Nutzer*innen deutlich gestiegen. Bis auf wenige Ausnahmen sind fast alle positiv und zeigen uns, dass wir richtig liegen, in dem wir Zusammenhänge und Auswirkungen erklären in einer Sprache, in der keine Fachbegriffe aus der Finanzwelt vorkommen oder ein Wirtschaftsstudium nötig ist.

Was kommt durch Corona auf uns zu, können wir das bewältigen, was bedeutet das für Deutschland und für Europa? Gerade Europa wird ein großes Thema werden. Wir werden in Europa investieren müssen. Nicht nur aus Solidarität, sondern auch aus Eigennutz. Denn an wen werden wir unsere Waren verkaufen, wenn die Länder um uns herum nicht mehr vom Boden auf die Füße kommen? Was bringt es uns, wenn wir die Krise überstehen, aber unsere Nachbarn nicht? Wir werden eine neue Idee benötigen von Europa. Gesellschaftlich, wirtschaftlich, politisch und auch finanziell.

Denn unsere Heimstatt Europa wird auch unsere Zukunft sein. Frieden, Freiheit, Sicherheit, Wohlstand. Alles hat mit Europa und vor allem auch mit Wirtschaft zu tun. Da kommt auf uns in Deutschland viel Arbeit und Verantwortung zu. Denn auch nach der Krise werden wir das bevölkerungsreichte Land in Europa sein und auch die stärkste Volkswirtschaft. Vielleicht werden wir auch in vielerlei Hinsicht eine stärkere Gemeinschaft sein. Gesellschaftlich wie wirtschaftlich. Je länger sich diese Krise zieht, umso mehr Hinweise gibt es darauf, dass wir sie überstehen werden und sogar gestärkt aus ihr hervorgehen können. Zwei starke Fundamente haben wir in Deutschland dafür. Eine starke Demokratie und eine starke Wirtschaft.