Von Alexander Peters

Geschäftsführender Gesellschafter NEUMAN & ESSER GROUP

Ich bin Ur-Öcher, d. h. ich bin in Aachen geboren und meine Familie ist seit 1891 in Aachen unternehmerisch tätig. Ich bin also verwurzelt in einer Stadt und einer Region, die viel zu bieten hat. Um das wirklich zu erkennen, muss man raus aus Aachen. Ich habe das nach dem Abitur selbst gemacht. Bundeswehr, Studium zum Wirtschaftsingenieur, erster Job im Ausland, dann MBA und erste Berufserfahrungen im Tochterunternehmen der elterlichen Unternehmensgruppe. Viele, die ich kenne, sind aus Aachen raus, und die meisten sind zurückgekehrt.

Warum? Für Ingenieure steht Aachen wie kaum eine andere Stadt „für die Technik“.

Die RWTH Aachen, die FH Aachen und das Campus Projekt sind allgegenwärtig und beispiellos gut vernetzt mit der regional ansässigen Industrie, aber auch darüber hinaus, national und international. Gefördert wird dieses Netzwerk auf institutioneller, aber insbesondere auf persönlicher Ebene. Jeder Unternehmer kennt irgendwie immer einen Uni Professor oder stellt sehr gut ausgebildete Absolventen ein. Neben diesem „akademisch geprägten Netzwerk“ gibt es aber noch viel mehr. Natürlich gibt es eine starke IHK, die gerade auch in der Euregio Maas-Rhein äußerst aktiv ist.

Hinzu kommt eine starke regionale Vereinigung von Unternehmerverbänden, die mit 5 Arbeitgeberverbänden, darunter dem Unternehmerverband der Metall- und Elektro- Industrie Aachen, die Interessen zahlreicher Arbeitgeber in der Region vertritt.

Besonders handfest und praktisch wird es auch, wenn sich Veranstaltungen für Unternehmer im Rahmen des vor wenigen Jahren gegründeten „Industriedialogs Aachen“ erfolgreich und vor allem zwanglos zu wirklichen Keimzellen von neuen Geschäftsverbindungen und Geschäftsideen entwickeln. Hier treffen Unternehmer und Mitarbeiter in eher unregelmäßigen Abständen zusammen. Die Atmosphäre ist gewinnbringend und Öcher Unternehmer und „in Aachen nach dem Studium gebliebene Unternehmer“ treffen zusammen und erleben einen anregenden Austausch von Erfahrungen und eine Einbindung in das Aachener Netzwerk.

„Aachen wäre nicht immer noch so attraktiv und lebendig, wenn kein stetiger Wille zum Wandel und der Anpassung da wäre – dies gilt insbesondere für die Unternehmen und die Unternehmer.“

Aachen wäre nicht immer noch so attraktiv und lebendig, wenn kein stetiger Wille zum Wandel und der Anpassung da wäre – dies gilt insbesondere für die Unternehmen und die Unternehmer. Oft ist es dem starken Willen nur einiger Unternehmer-Persönlichkeiten zu verdanken, neue Dinge in Aachen entstehen zu lassen. Beispiele aus der jüngsten Vergangenheit sind sicherlich die Entstehung des „Digital Hubs“ in einer alten Kirche, Aachen‘s Antwort auf die Frage nach einem deutschen Silicon Valley, die erfolgreiche Entwicklung und Vermarktung der Elektro-Mobile „Street Scooter“ und
„E-GO“, aber auch viele andere Zukunftsthemen, die auch mit dem Forschungszentrum Jülich gemeinsam bearbeitet werden, gerade, wenn es um unsere nachhaltige Energieversorgung der Zukunft geht.

Vieles, ja sehr vieles wurde in Aachen erforscht, entwickelt und zur Marktreife und zu nachhaltigen Produkten vorangetrieben… und das über einen sehr langen Zeitraum von der Industrialisierung bis heute ins Zeitalter von Industrie 4.0. Realisiert wurde diese Entwicklung durch das beispiellose Netzwerk, welches nachhaltige und international tätige Unternehmen hervorgebracht hat, sei es durch langfristig agierendes Familienunternehmertum, erfolgreiche Spin-Offs der Universitäten (meist auch Familienunternehmen) oder einer modernen Start-Up Szene, die sich aus den Digitalisierungsinitiativen in Aachen entwickelt hat.

Im Mai dieses Jahres habe ich mich auf den Weg nach San Francisco gemacht, nur für ein paar Tage. Ich wollte wissen, welche Faktoren denn gerade dort diese weltweit wohl einzigartige Region für die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle und Technologien haben entstehen lassen.

Meine Erfahrung und Antwort: eine sehr gute Infrastruktur, eine nahezu beispiellose Universitätslandschaft, Zugang zu fast unberührter Natur, fantastische Menschen aus vielen Nationen, einer von der gesamten Gesellschaft geteilten großen Freude an innovativen Ideen und eine spürbare tiefe Liebe der dort lebenden Menschen zu dieser Region.

Ich finde, dass Aachen und unsere Region ebenfalls das Zeug zu einer solchen Entwicklung hat. An Unternehmerpersönlichkeiten mangelt es nicht, an Natur und internationaler Offenheit auch nicht. Wichtig ist, dass die Region Aachen die entsprechenden Rahmenbedingungen schafft und für Menschen attraktiv bleibt. Und dafür reichen nicht nur die hervorragende Schokolade oder die Printen, die in Aachen hergestellt werden… dafür braucht es ein lebendiges und agiles Zusammenleben von allen Mitbewohnern der Aachener Region, mit einer stetigen Freude an immer neuen unternehmerischen Ideen.