Von Josef Tumbrinck

Landesvorsitzender NABU NRW

Im Jahr 2015 schrieb Papst Franziskus in seiner wegweisenden Enzyklika „Laudato Si“: „Jedes Jahr verschwinden Tausende Pflanzen- und Tierarten, die wir nicht mehr kennen können, die unsere Kinder nicht mehr sehen können, verloren für immer. Die weitaus größte Mehrheit stirbt aus Gründen aus, die mit irgendeinem menschlichen Tun zusammenhängen. Unseretwegen können bereits Tausende Arten nicht mehr mit ihrer Existenz Gott verherrlichen, noch uns ihre Botschaft vermitteln. Dazu haben wir kein Recht.“

Der Artenschwund wie er sich ganz aktuell beim massiven Insektenschwund zeigt,  der unwiederbringliche Verlust landwirtschaftlicher Produktionsflächen durch Bebauung oder die rapide voran schreitenden Klimaveränderungen sind Herausforderungen für unsere Generation.  Wir müssen sie auf einen guten Weg bringen, wollen wir sie nicht den künftigen Generationen als kaum lösbares Vermächtnis aufladen.

Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass das Rezept nicht Deindustrialisierung heißt. Der NABU hat schon 2010 zusammen mit dem DGB sich zur Zukunft des Industriestandortes in NRW so geäußert: „Die zukünftige Entwicklung des Industrie- und Wirtschaftsstandortes ist entscheidend für die ökologische, ökonomische und soziale Zukunft in Nordrhein-Westfalen. Gleichzeitig ist ein sozial-ökologischer Umbau der Industrie Voraussetzung für ihre Zukunft und eine nachhaltige Entwicklung in NRW.“ Das gilt uneingeschränkt auch heute und über die Industrie hinaus auch für andere Wirtschaftszweige.

„Die zukünftige Entwicklung des Industrie- und Wirtschaftsstandortes ist entscheidend für die ökologische, ökonomische und soziale Zukunft in Nordrhein-Westfalen.“

Wir warten aber nicht darauf, dass sich etwas bewegt sondern wir bewegen selbst etwas. So hat der NABU 2014 die Gründung des Vereins KlimaDiskurs.NRW mit angeschoben. Es geht darum im Diskurs der gesellschaftlich relevanten Akteure die Herausforderung der Erreichung der Klimaschutzziele und der damit einhergehenden Begrenzung des Klimawandels möglichst ohne Brüche zu meistern. Wir wollen darüber einen Konsens herstellen, der auch Regierungshandeln über lange Zeiträume und unterschiedliche Regierungen tragen kann. Das erfolgreiche Wirken des Vereins kann auch für den Umgang mit anderen Problemfeldern Vorbild sein. Wir haben angesichts der ökologischen Herausforderungen nicht mehr die Zeit alte Verhaltensmuster zu pflegen und uns gegenseitig mit Schwarz-Weiß-Malereien zu bedenken.

Leider kann ich noch nicht erkennen, dass die derzeitige Landesregierung hier einen grundlegenden Kurswechsel vollzieht. Auch noch so viele Entfesselungspakete werden uns auf dem skizzierten Weg nicht voran bringen. Sie werden Probleme verschärfen und am Ende wird die Akzeptanz weg sein. Schade für die dann vertanen Jahre.

Papst Franziskus gibt uns den Weg vor: „Es genügt nicht, die Pflege der Natur mit dem finanziellen Ertrag oder die Bewahrung der Umwelt mit dem Fortschritt in einem Mittelweg zu vereinbaren. In diesem Zusammenhang sind die Mittelwege nur eine kleine Verzögerung des Zusammenbruchs. Es geht schlicht darum, den Fortschritt neu zu definieren. Eine technologische und wirtschaftliche Entwicklung, die nicht eine bessere Welt und eine im Ganzen höhere Lebensqualität hinterlässt, kann nicht als Fortschritt betrachtet werden.“