Von Holger Bentler

Vorsitzender des Bildungswerks der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft e. V. und Leiter Ausbildung NRW sowie Leiter IT and Processes Siemens Berufsbildung

Auch in diesem Jahr werden im Herbst wieder viele junge Menschen eine duale Ausbildung beginnen. Sie haben damit eine gute Wahl getroffen. Denn eine Ausbildung ist nicht nur immer noch, sondern heute und auch morgen erst recht eine hervorragende Grundlage für eine erfolgreiche berufliche Zukunft. Unternehmen brauchen für ihre Innovations- und Wettbewerbsfähigkeit gut qualifizierte Fachkräfte. Und das gilt in Zukunft noch viel mehr. Denn Prognosen zeigen, dass aufgrund der demographischen Entwicklung der Mangel an beruflich qualifizierten Fachkräften deutlich zunehmen wird.

Was die duale Ausbildung auszeichnet, ist ihr enger Praxisbezug. Damit ist sie ein Garant dafür, dass genau die Fachkräfte ausgebildet werden, die die Unternehmen brauchen. Das ist nicht nur für die Unternehmen wichtig. Vorteil dieses Praxisbezugs für die jungen Menschen ist, dass sie konkret sehen, wofür sie lernen und dass die Übergänge in eine Beschäftigung gut gelingen.

Was eine Ausbildung zudem auszeichnet, ist ihre Vielfalt und Wandlungsfähigkeit. Es gibt über 300 Ausbildungsberufe in allen Bereichen unseres Wirtschafts- und Arbeitslebens – sei es Produktion, Dienstleistung, Handel, Handwerk… Und die Ausbildung bleibt modern, indem immer wieder neue Ausbildungsberufe entstehen und bestehende Berufe an neue Entwicklungen angepasst werden. So sind in den vergangenen 10 Jahren rund 150 Ausbildungsberufe modernisiert worden.

Wir bei Siemens setzen seit über 125 Jahren erfolgreich auf die duale Ausbildung, um unsere Nachwuchskräfte auf die Zukunft vorzubereiten. In der Ausbildung wird Digitalisierung erfolgreich umgesetzt, digitale Kompetenzen sind in den Ausbildungsalltag integriert und werden stetig neuen Anforderungen angepasst. Die Förderung von Individualkompetenzen der Auszubildenden und dual Studierenden zur Vorbereitung auf die Arbeitswelt von morgen wird immer wichtiger.

Aktuell stellt die Corona-Pandemie natürlich auch die Ausbildung vor Herausforderungen. So musste beispielsweise dort, wo im Homeoffice gearbeitet wird, auch die Ausbildung „auf Distanz“ organisiert werden. Dazu gehört, den Kontakt zwischen Auszubildenden und Ausbildern sicherzustellen und neue digitale Lerntools einzuführen.

In der Siemens AG wurde die Ausbildung ab dem 1. Tag des Lockdowns für alle Auszubildenden virtuell weitergeführt. Virtuelle Desktop Clients mit Ausbildungssoftware wurden aufgestockt, Lizenzmodelle erweitert und Ausbildungsthemen virtuell vermittelt. Inhalte wurden via Conceptboard im virtuellen Raum abgebildet und Links zu internen und externen Lernangeboten wurden kuratiert.

„Ausbildung hat für die Wirtschaft in NRW auch in der Corona-Krise einen sehr hohen Stellenwert. Das zeigen die vielen tollen Ideen und Aktivitäten von Unternehmen und Verbänden rund um Berufsorientierung und Ausbildung.“

Besonders schwierig gestaltet sich aktuell aber, Ausbildungsplätze und Bewerber zusammenzubringen. In den vergangenen Monaten konnte Berufsorientierung und Ausbildungsvermittlung nicht wie üblich stattfinden. Besorgniserregend ist zudem, dass die Zahl der Ausbildungsbewerber deutlich zurückgeht. Viele junge Menschen sind offenbar verunsichert, ob angesichts von Corona überhaupt Ausbildungschancen bestehen.

Wichtig ist daher die Botschaft: „Ausbildungschancen jetzt nutzen!“ Es gibt noch viele, viele Ausbildungsplätze, für die passende Bewerber gesucht werden. Und es gibt viele Angebote, die jungen Menschen helfen, auch jetzt einen Ausbildungsplatz zu finden. In den vergangenen Monaten sind mit großem Engagement viele neue Ideen auf den Weg gebracht worden. Dazu gehören beispielsweise digitale Ausbildungsmessen, Online-Chats mit Auszubildenden oder virtuelle Betriebserkundungen.

Die Siemens AG hat ihre Angebote zur Berufsorientierung und -wahl virtualisiert und diese Transformation mit dem Girls‘ Online im Jahr 2020 gestartet. 900 Schülerinnen haben so auf Instagram Einblicke, Kontaktmöglichkeiten und Anleitungen für einfache Experimente erhalten, die zuhause realisiert wurden. In diesem Jahr wurden dann Bausätze versendet und Austauschmöglichkeiten mit weiblichen Auszubildenden geschaffen.  Im Sommer des letzten Jahres ging die virtuelle Messe-Plattform SIEYA (Siemens Your Adventure) online. Auch die Eltern wurden nicht vergessen. So wurden virtuelle Elternabende durchgeführt, die auf große Resonanz stießen. Um einen Beitrag zu leisten, Schülern virtuelle Schnuppertage zu ermöglichen, wurde gemeinsam mit dem Schule Wirtschaft-Netzwerk, dem MINT-EC sowie mit Microsoft und SAP die Initiative „Digital Insights“ ins Leben gerufen. Insgesamt 750 Schülern werden bis Juli die Möglichkeit haben, virtuell Einblicke in die drei Unternehmen zu bekommen.

Und eine weitere Botschaft ist wichtig: Ausbildung hat für die Wirtschaft in NRW auch in der Corona-Krise einen sehr hohen Stellenwert. Das zeigen die vielen tollen Ideen und Aktivitäten von Unternehmen und Verbänden rund um Berufsorientierung und Ausbildung. Und nicht nur aktuell in der Krise – das Engagement für die Nachwuchsgewinnung und Ausbildung gibt es seit vielen, vielen Jahren.

Dafür steht auch die langjährige Arbeit des Bildungswerks der Nordrhein-Westfälischen Wirtschaft. Die Förderung von MINT-Kompetenzen und verschiedenste Formate zur Unterstützung von Schülerinnen und Schülern bei der Berufsorientierung sind seit vielen Jahren wichtige Schwerpunkte unserer Bildungsarbeit. Hinzu kommen aktuell innovative Qualifizierungsangebote für Ausbilderinnen und Ausbilder mit dem Ziel, diese darin zu stärken, die duale Berufsausbildung an die Anforderungen des digitalen Wandels anzupassen.

Und zum Schluss noch einmal der Appell: „Ausbildungschancen jetzt nutzen!“ Denn: Ausbildung heute ist der Erfolg von morgen.