Von Bernhard Mattes

Präsident des Verbandes der Automobilindustrie

Als bevölkerungsreichstes und flächenmäßig viertgrößtes Bundesland stellt Nordrhein-Westfalen eine engmaschige Region mit einem hohen Urbanisierungsgrad dar. Diese Fakten stellen das Verkehrsmanagement und die Mobilität vor komplexe Herausforderungen. Gleichzeitig ergeben sich jedoch auch vielerlei Chancen und Möglichkeiten, in einem solch dicht besiedelten Gebiet schon heute die Weichen für die Mobilität der Zukunft auf Erfolg zu stellen. Ob innovative Hersteller und Zulieferer, Verkehrsträgerverknüpfung oder Automatisierung und Digitalisierung – Nordrhein-Westfalen hat beste Voraussetzungen, eine Modellregion für die Mobilität von morgen zu werden. Das langfristige Ziel ist die „Vision Zero“ – den Straßenverkehr noch effizienter, sauberer und sicherer zu machen.

Der erste Baustein ist die stetige Optimierung des Antriebsstrangs. Neben der weiteren Verbesserung des Verbrennungsmotors setzt die deutsche Automobilindustrie auf verschiedene alternative Antriebe. Die Leitidee für Hersteller und Zulieferer ist die Fächerstrategie, die die Unternehmen schon viele Jahre verfolgt. Dabei geht es vor allem um die Elektromobilität, aber auch Erdgas, die Brennstoffzelle und klimaneutrale synthetische Kraftstoffe, sogenannte E-Fuels, die perspektivisch eine wichtige Rolle spielen.

Das Committment der Unternehmen spiegelt sich in den Investitionen wider: So bringen Hersteller und Zulieferer bis 2020 insgesamt rund 40 Milliarden Euro für Forschung und Entwicklung im Bereich der alternativen Antriebstechnologien und Kraftstoffe auf. Auch wird sich die Modellpalette bei Elektrofahrzeugen auf 100 knapp verdreifachen. Die Automobilindustrie verschließt sich also nicht der Innovation, sie treibt sie aktiv und technologieoffen voran. Einen großen Beitrag dazu leisten nordrhein-westfälische Hersteller und Zulieferer mit ihren knapp 83.000 Beschäftigten.

Ein weiteres wichtiges Element ist die Digitalisierung des Straßenverkehrs. Durch die Vernetzung von Fahrzeugen untereinander und mit der Infrastruktur können weitere Potenziale mobilisiert werden, um steigenden Urbanisierungsraten und zunehmendem Pendlerverkehr Herr zu werden.

Dass NRW bei Digitalisierung und Vernetzung innovativ vorangeht, zeigt sich zum Beispiel in Düsseldorf. Auf einer 20 Kilometer langen Teststrecke können hier automatisierte und vernetzte Fahrfunktionen in verschiedenen Szenarien erprobt werden. Neben Fahrzeugen mit automatisierten Fahrfunktionen, wie beispielsweise Einparkassistenten, wird auch der öffentliche Personennahverkehr in die Prozesse eingebunden.

Doch damit die Innovationen der Digitalisierung und Vernetzung greifen können, müssen auch die Rahmenbedingungen stimmen. Um das volle Potenzial neuer Technologien auszuschöpfen, ist ein stabiles und flächendeckendes Mobilfunknetz 5G eine wichtige Voraussetzung. Dabei ist vor allem auch die Politik gefordert. Denn mit der zunehmenden Entwicklung einer immer größer werdenden Zahl komplexerer Anwendungen für das vernetzte und automatisierte Fahren wachsen auch die Anforderungen an die digitale Infrastruktur.

In Zukunft wird zudem die Verknüpfung der verschiedenen Verkehrsträger eine immer wichtigere Rolle spielen. Auch hier geht NRW mit gutem Beispiel voran. So gibt es in Köln und Düsseldorf die Carsharing-Angebote Car2Go und DriveNow von deutschen Herstellern. Auch Ford leistet mit dem Leihfahrradsystem FordPassBike in den beiden Städten einen wichtigen Beitrag, um den inter- und multimodalen Verkehr auszubauen.

Ein zunehmend wichtiger Aspekt bei Sharing-Angeboten sind intelligente Software-Lösungen, die den Kunden die verschiedenen Möglichkeiten darlegen, wie die Verkehrsträger bedarfsorientiert verknüpft werden können. So wird der innerstädtische Verkehr entlastet und die Mobilität der Kunden flexibler gestaltet.

Die Mobilität der Zukunft wird also von verschiedenen Faktoren beeinflusst: Neben alternativen Antrieben geht es dabei vor allem um Automatisierung, Digitalisierung und Vernetzung. Doch auch die Angebote für die Sharing-Economy werden zur Entlastung insbesondere urbaner Räume beitragen. Hersteller und Zulieferer haben in all diesen Bereichen ihre Hausaufgaben gemacht. Doch es bedarf einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Industrie und Politik, um den technologieoffenen und zukunftsgewandten Ansatz der Unternehmen nachhaltig zu realisieren. Nur so werden wir auch in Zukunft bei der Mobilität eine internationale Führungsposition einnehmen.