Von Dr. Rolf Martin Schmitz

Vorsitzender des Vorstands RWE AG

Die Zukunft ist elektrisch und NRW ist das Energiezentrum Deutschlands. Das ist gut für uns alle, denn Energie ist ein bedeutender Wirtschaftsmotor für Wertschöpfung und Beschäftigung. Damit das so bleibt, müssen alle an einem Strang ziehen – Politik, Versorger und Industrie. Denn wir sitzen alle in einem Boot, und nur so kommen die notwendigen Investitionen auf den Weg, die wir für eine sichere, bezahlbare und nachhaltige Energieversorgung heute und in Zukunft brauchen.

Alleine vom Rheinischen Revier mit seinen Tagebauen und Kraftwerken hängen in NRW 25.000 Arbeitsplätze ab, über 700 Millionen Euro Auftragsvolumen fließen an mehr als 3.000 Unternehmen. Von flexiblen, sicher verfügbaren Kraftwerken hängt aber noch viel mehr ab. Darauf bauen die Industriezentren im Ruhrgebiet und entlang der Rheinschiene – Stahl, Aluminium, Chemie usw. Es geht zudem auch um den wachsenden Bedarf an Energie, den Megatrends wie Digitalisierung oder Nachhaltigkeit und Klimaschutz auslösen – leistungsstarke Rechenzentren, digitale Technologie, nachhaltige Energie für Wärme und Mobilität. Kurz: Alles Zukunftsthemen, bei denen es um ein erfolgreiches NRW geht.

Die Wettbewerbsfähigkeit unseres Landes hängt auch von in sich geschlossenen Wertschöpfungsketten ab, die sich von der Energiegewinnung bis zum industriellen Endprodukt erstrecken. Um sie zu erhalten und zu entwickeln, brauchen wir Augenmaß und eine Balance von Energie-, Klima- und Industriepolitik. Elektrische Energie wird in den kommenden 30 Jahren zu einem weitgehend CO2-freien Produkt werden. So hat die Politik europaweit die Weichen eindeutig gestellt. Eine aktuelle Studie des BDI hierzu weist darauf hin, wie wichtig eine Klimapolitik mit Augenmaß ist, die Rahmen und Ziele setzt, aber sonst auf Eingriffe des Staates verzichtet. Denn dass die Strukturveränderungen – gerade in NRW – ohnehin massiv sind, liegt auf der Hand.

Bei RWE nehmen wir die Herausforderung an. Wir werden bis 2030 den CO2-Ausstoß des heutigen Kraftwerksportfolios länderübergreifend im Vergleich zu 2015 um 55 bis 65 Mio. Tonnen verringern. Insgesamt sind das bis zu 50 Prozent. Bis 2050 sollen unsere CO2-Emissionen auf dieser Basis um 85% sinken, also in vollem Einklang mit den europäischen Klimaschutzvorgaben. Die Geschwindigkeit der Transformation hängt auch davon ab, wie sich die erneuerbaren Energien entwickeln. Wir jedenfalls leisten unseren Anteil.

Dabei bauen wir auf 120 Jahre Unternehmenserfahrung. Seit 120 Jahren arbeitet RWE am gleichen Ziel: Die Energieversorgung effizienter, leistungsfähiger und nachhaltiger zu machen. Das war früher so, als wir alte Dampfmaschinen durch moderne Turbinen ersetzten oder das europäische Energiesystem vorangetrieben haben. Das bleibt heute so, wenn wir den Ausbau erneuerbarer Energien durch flexible Kraftwerke und innovative Technologien absichern.

Es geht immer darum, neue Technologie ins System zu integrieren, die notwendigen Investitionen zu stemmen, vorhandene Strukturen daran anzupassen – und zwar so, dass die Versorgung für den Kunden bezahlbar und sicher bleibt. Darauf kommt es an, das drückt unser Unternehmensmotto aus: „Zukunft. Sicher. Machen.“

Wir gehen diesen Weg heute, in dem wir die unterschiedlichen thermischen Kraftwerke – Kohle, Gas, Biomasse und bis 2022 auch noch Kernenergie – geschickt mit den erneuerbaren Energien kombinieren. Morgen werden andere Technologien hinzukommen – innovative Speicher, Power-to-X, synthetische Brennstoffe, Sektorenkopplung und vielleicht auch Lösungen, von denen wir heute noch gar keine Vorstellung haben.

In eine sichere Energieversorgung zu investieren, ist für RWE die Aufgabe der Zeit. Damit sich die Kunden darauf verlassen können – vom großen Industriebetrieb über das digitale Start-up bis zum privaten Haushalt. Die Energiewirtschaft wiederum muss sich auf die Politik verlassen, um sorgfältig planen und kalkulieren zu können. Denn die Politik setzt den Rahmen für Versorgungssicherheit, Bezahlbarkeit, Umwelt- und Klimaschutz. Beim Klima ist die Energiewirtschaft schon heute auf dem richtigen Weg. Jetzt müssen auch Sektoren mit ins Boot, in denen bislang noch nicht viel passiert ist – Verkehr, Wärme, Kälte zum Beispiel. Mehr Versorgungssicherheit muss auf die Agenda, das sagen die Prognosen und Analysen der Netzbetreiber. Herausfordernde Aufgaben, besonders für die neue Bundesregierung. Gehen wir sie partnerschaftlich an.