Von Erich Staake

Vorstandsvorsitzender der Duisburger Hafen AG (duisport)

In diesem September hat ein neuer Abschnitt des Strukturwandels in NRW begonnen – genau zwölf Jahre, nachdem der Abschied aus dem Steinkohlebergbau besiegelt und knapp ein Jahr nachdem er vollendet wurde. Nun hat die Bundesregierung Strukturhilfen von 40 Milliarden Euro für die Ausstiegs-Regionen der Braunkohle beschlossen. Über die konkreten Schritte in den Transformationsregionen wird ab sofort verhandelt.

Kein Wunder, dass im einstigen Zentrum der deutschen Energiewirtschaft an Rhein und Ruhr noch keine Jubelstimmung herrschen kann. Denn nicht in der aktuell viel zitierten Lausitz, sondern exakt zwischen Jülich und Ibbenbüren wirkt sich die Energiewende am stärksten aus, kostet sie die meisten Arbeitsplätze und schluckt die größte Wertschöpfung. Ministerpräsident Armin Laschet fordert also zu Recht eine „Sanierung West“.

Worum geht es da? Laut Institut der Deutschen Wirtschaft erwirtschaftet das Ruhrgebiet im Vergleich zum Ballungsraum München je Einwohner nur noch die Hälfte des Bruttoinlandsproduktes.  Die Arbeitslosigkeit ist zwar gesunken, aber schwächer als im Osten. Und trotz erfreulicher Anfangserfolge gibt es weiterhin massiven Nachholbedarf bei Firmengründungen.

Was ist zu tun? Das Institut der Deutschen Wirtschaft antwortet schmucklos: „Die Stärkung der Wirtschaft ist das A und O.  Alles muss dem Ziel untergeordnet werden, die hohen Arbeitslosenzahlen zu senken“. Der DGB NRW fordert „neue gute Arbeitsplätze in der Industrie und in industrienahen Dienstleitungen“.

Wie das geht? Bedenkenswerte Anregungen finden sich bei einer der wenigen seit 21 Jahren erfolgreichen „Jobmaschinen“ an Rhein und Ruhr. Rund 30.000 zusätzliche zukunftsfähige Arbeitsplätze sind dort seit 1998 entstanden – in Berufen, die zur Logistik gehören. Und die Wertschöpfung von jährlich mehr als drei Milliarden Euro im Radius von 40 Kilometern kann sich ebenfalls sehen lassen.  Hier ist vom Duisburger Hafen die Rede. Und dabei geht es um viel mehr als das Be- und Entladen von Lkw, Schiffen und Eisenbahnwaggons.

Ein strategisches Erneuerungskonzept hat den Erfolg ermöglicht. Dabei entwickelte duisport als mittelständisch verfasste Unternehmensgruppe in öffentlichem Eigentum ungewöhnliche Flexibilität und Schlagkraft. Alle unterschiedlich zusammengesetzten Landesregierungen seit 1998 haben zur gemeinsamen Strategie gestanden und die notwendigen Entscheidungen mitgetragen. So war es möglich, außerordentliche Chancen aus und mit dem Wirtschaftszweig Logistik zu entwickeln. Drei Einzelheiten unserer Habenseite:

  1. Der konsequent neue Plan: Auf der einstigen Krupp-Stahlbrache in Rheinhausen wurde 1998 nicht irgendein weiterer „Gemischtwarenladen“ aus Industrie, Handwerk, Handel und „Sonstigem“ entwickelt. Der konkrete Plan hieß: Logistikzentrum neuen Zuschnitts, trimodale Drehscheibe für den europäischen Güterverkehr. Heute sind im Duisburger Hafen gut 300 national und weltweit führende Logistik- und Industrieunternehmen angesiedelt.
  2. Entwicklung von Gewerbeimmobilien: In Rheinhausen entstand die Blaupause logport I – hier wurde die Vielfalt der logistischen Dienstleistungen begründet, die duisport heute zum gesuchten  Partner bei nationalen und internationalen  Logistikprojekten machen. Das beginnt bei der planerischen Transformation einer altindustriellen Fläche, beim Bau maßgeschneiderter Hallen und Büros für die zuvor angeworbenen Mieter oder Käufer. Es geht weiter mit überpünktlich vollendeten Bauten und unter Budget abgerechneten Leistungen. Und: Jeder Euro öffentlicher Fördergelder für einzelne Projekte hat hier zwölf Euro zusätzlicher privater Investitionen ausgelöst. Inzwischen gibt es in NRW fünf weitere „logports“ – und Folgeprojekte sind unterwegs, aktuell logport VI in Duisburg-Walsum sowie gemeinsam mit unserem Industriepartner Evonik in Lülsdorf am Rhein und mit RWE Power im Braunkohlegebiet Garzweiler bei Grevenbroich/Jüchen.
  3. Strikte Kundenorientierung: Auf inzwischen mehr als 2 Millionen Quadratmetern Hallenfläche wurden immer ausgeklügeltere Serviceleistungen für Kunden aus Industrie und Handel entwickelt. Erste Industrieadressen wie Siemens und Bayer, Hewlett Packard und Danone Waters nutzen den Full Service, den duisport und seine Partner aus der Weltspitze der Logistik anbieten. Dass seit 2013 deutsche Premium-Autohersteller von hier aus inzwischen jährlich gut eine Million Tonnen Automobilkomponenten für ihre weltweiten Produktionsbänder auf den Weg bringen, spricht erneut für die Qualität des Standortes und dessen logistische Leistungsfähigkeit – und es sichert Arbeit in der nahen Zulieferindustrie.

„Zeit , der Logistik auch in den Strategien der Politik einen zentralen Platz einzuräumen. Ohne leistungsfähige Logistik jedoch ist eine „Sanierung West“ nicht denkbar.“

Industrie und Handel brauchen erstklassige Logistik für den Weg zum Kunden und zunehmend auch als verlängerte Werkbank für die Konditionierung der Produkte. Im Zeitalter der Digitalisierung wird dies Zusammenspiel vollends unverzichtbar. Wo Industrie und Logistik so eng beieinander sind wie an Rhein und Ruhr, dort sind die Wachstumsaussichten beider Partner besonders gut.  Die Diversifizierung der logistischen Service-Angebote gipfelt bei duisport schon heute in über 30 Tochterfirmen. Sie erwirtschaften inzwischen rund 80 Prozent des Konzernumsatzes, der Hafen selbst trägt lediglich 20 Prozent bei.

Vorausschauende Investitionen schufen die Voraussetzung für alljährlich optimierte Dienstleistungen. Selbst in der aktuell unsicheren Lage des Welthandels planen wir die nächste bedeutende Erweiterung unserer Containerterminals. Zugleich optimieren wir uns weiter im Bereich der Digitalisierung, suchen eine Pole Position beim Klimaschutz. So wurden wir ausgewählt, gemeinsam mit dem Fraunhofer UMSICHT im europäischen Projekt „enerport“ ganzheitliche klimaschützende Lösungen für Binnenhäfen zu entwickeln.

Zudem investiert duisport massiv in die Gründer-Zukunft: Unsere Startup-Plattform startport hilft derzeit bereits 20 jungen Unternehmen auf die Beine. Hier erhalten sie Praxisnähe durch enge Zusammenarbeit mit führenden Industrie- und Handelsunternehmen der Region. Daraus entstehen handfeste neue digitale Anwendungen für Produktionslinien und folgende Lieferketten.

Logistik in ihrer ganzen Vielschichtigkeit ist zum Impulsgeber und Top-Arbeitgeber für die Zukunft an Rhein/Ruhr geworden. Jedes Logistikzentrum, das vernetzt wird mit den über 100 internationalen Destinationen aus dem Duisburger Portfolio, verspricht gute und dauerhafte Handelsbeziehungen. Diese zu stabilisieren und weiter im Interesse der deutschen Exportwirtschaft auszubauen – das ist unser Ziel, nicht zuletzt auch bei duisports intensivem Engagement entlang der Korridore der Neuen Seidenstraße zwischen Europa und Asien.

duisport hat sich zu einem Premium Port entwickelt, dessen Erfolg ausstrahlt auf die gesamte Rhein-Ruhr-Region. Nur mit duisport war es möglich, NRW zur stärksten Logistikregion in Zentraleuropa auszubauen. Eine Region mit deutlich über 600.000 logistischen Arbeitsplätzen.

Zeit also, der Logistik auch in den Strategien der Politik einen zentralen Platz einzuräumen. Aber noch fahren unsere Kunden auf maroden Straßen, über bröselnde Brücken, alternde Schienen und Wasserstraßen. Logistik lebt also mit massiven Behinderungen. Ohne leistungsfähige Logistik jedoch ist eine „Sanierung West“ nicht denkbar.