Von Christopher Mennekes

Geschäftsführender Gesellschafter MENNEKES Elektrotechnik GmbH & Co. KG

Das Jahr 2020 hat soeben begonnen, und mit ihm schreiten viele revolutionäre Entwicklungen aus dem letzten Jahrzehnt weiter voran. Ich denke dabei verstärkt an die Mobilitätswende, die besonders in diesem Jahr, dank der kommenden neuen Fahrzeug-Modelle, einen spürbaren Boom erleben wird. Eigentlich ist das eine gute Entwicklung, wenn man Befürworter einer klimaschonenden Mobilität ist. Und auch für den Wirtschaftsstandort Deutschland ist es gut, wenn sich der Markt für diese Zukunftstechnologie auch hierzulande etabliert. Denn gerade in NRW haben wir hervorragende Unternehmen, die heute schon dieses neu entstehende Geschäftsfeld erfolgreich bearbeiten.

Allerdings habe ich den Eindruck, dass viele Menschen in unserem Land angesichts der unbestritten großen Herausforderungen und komplexen Zusammenhänge immer skeptischer werden, ob die anstehenden und laufenden Entwicklungen in die richtige Richtung gehen. Diese skeptische Haltung beschränkt sich im Übrigen nicht nur auf die Stammtische, sondern ist auch bei manchen Verantwortlichen und Entscheidern zu beobachten. Erst im letzten Jahr stellte beispielsweise ein Bundesminister die Frage ins Unternehmer-Auditorium, ob „Elektro überhaupt die Zukunft sei“, offenbar in Unkenntnis darüber, dass auch Wasserstoffautos sinnvollerweise mit einem Elektromotor fahren.

Wenn Deutschland seine Klimaziele, die aus dem globalen Konsens des Pariser Klimaabkommens abgeleitet sind, erreichen möchte, muss sich der Verkehrssektor besonders anstrengen. Denn hier hat sich seit 1990 wenig getan. Die geforderten Emissionsreduktionen sollen zu einem beträchtlichen Teil durch die Umstellung auf Elektromobile erreicht werden. Konkret sind das ca. 9 Millionen Elektroautos bis 2030, davon 7 Millionen rein batterieelektrisch (BEV). Im Vergleich zum heutigen Bestand von 150.000 BEVs sind das sicher enorme Zahlen, die einen Zuwachs von jährlich 45 % erfordern. Immerhin waren es im vergangenen Jahr schon 75 % BEV-Zuwachs. Da nun eine regelrechte Modell-Offensive seitens der Autohersteller beginnt, kann man annehmen, dass diese Zuwächse in den nächsten Jahren auch tatsächlich kommen, vorausgesetzt, dass die angesprochene „Elektroskepsis“ bei den Konsumenten nicht noch weiter forciert wird. Und dazu gibt es keinen Grund, denn die meisten kursierenden Fragen zum Thema sind aus meiner Sicht perspektivisch lösbar. In aller gebotenen Kürze gebe ich ein paar Beispiele:

Wenn Deutschland seine Klimaziele, die aus dem globalen Konsens des Pariser Klimaabkommens abgeleitet sind, erreichen möchte, muss sich der Verkehrssektor besonders anstrengen.

Die Sorge, dass wir für die Elektromobilität Unmengen an Strom benötigen, ist unbegründet. 10 Millionen Elektroautos haben einen Jahresbedarf von ca. 24 Terawattstunden, das sind 4,7 % der deutschen Nettostromerzeugung. Nicht wenig, aber auch nicht gigantisch. Und da sehr viele Fahrzeuge viele Stunden pro Tag eingesteckt am Netz laden, wirken diese Speicher komplementär zur Energiewende. Im Übrigen macht Elektromobilität nur mit Strom aus erneuerbaren Energien wirklich Sinn, und deren Anteil lag in 2019 bei 46 %, Tendenz steigend. Doch wie steht es um unsere Netze? Feldversuche haben gezeigt, dass es aufgrund von E-Autos nur selten zu Überlastungen des Stromnetzes kommen wird, die man heute schon mit IT-gestütztem Lastmanagement eliminieren kann. Das ist nicht teuer und sichert lokal vor Blackouts. Sind die Batterien fürs Autofahren nicht mehr leistungsfähig genug, kommen sie im Second-Life-Betrieb in ein Batteriespeicherkraftwerk, wo sie noch viele Jahre der Energiewende dienen können, ja sogar müssen. Denn ohne ausreichende Energiespeicher droht die Energiewende, bei gleichzeitigem Atom- und Kohleausstieg, zu scheitern. Einige dieser Batteriespeicher sind in NRW bereits am Netz. Am Ende des Produktlebenszyklus werden die Batterien dann recycelt, um kostbare Rohstoffe neu zu verwenden. Auch hier haben wir in NRW Spezialisten, die das heute schon, trotz geringer Stückzahlen, vorbildlich machen.

So kann man für viele gestellte Fragen zur Elektromobilität bereits Antworten und Lösungsansätze finden, insbesondere in NRW. Dass der Umstieg zum Elektromotor machbar und sinnvoll ist, ist nicht nur meine feste Überzeugung: wenn beispielsweise der größte Autobauer der Welt voll auf die batterieelektrische Mobilität setzt, kann man davon ausgehen, dass dieser gravierenden Entscheidung intensive strategische Überlegungen und Analysen vorausgegangen sind. Auch wenn manche es dafür halten: Spinnerei organisiert man anders.

Deshalb möchte ich alle Verantwortlichen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ermutigen, der Elektromobilität aufgeschlossen zu begegnen und keine Zukunftsängste vor einer Technologie zu schüren, die sich gerade erst wirklich entwickelt und in der enormes Innovationspotential schlummert. Sonst verlieren wir auch hier zusehends an Innovationskraft, die wir bitter benötigen, um unsere weltwirtschaftliche Bedeutung zu verteidigen. In NRW haben wir beste Voraussetzungen, diese Herausforderungen zu meistern.