Von Yvonne Gebauer MdL

Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Zur vergangenen Landtagswahl hatte Unternehmer NRW sein wirtschaftspolitisches Positionspapier mit „Starke Wirtschaft. Starkes Land.“ überschrieben. Aus meiner Sicht lässt sich das sogar noch ergänzen: „Starke Schulen“. Denn ohne gute und erfolgreiche Schulen gibt es keinen qualifizierten Nachwuchs für eine florierende Volkswirtschaft, ohne die wiederum auf Dauer kein stabiler Sozialstaat möglich ist. Auch für Nordrhein-Westfalen ist die Arbeit der zahlreichen Unternehmen entscheidend für die Zukunft des Landes. Um im nationalen und globalen Wettbewerb bestehen zu können, brauchen Unternehmen Innovationen und hervorragende Mitarbeiter. Beides fällt nicht vom Himmel und bedarf neben einer vorausschauenden Wirtschaftspolitik vor allem auch eines: bester Bildung.

Im Windschatten der aktuell medial präsenten G9-Rückkehr, der Bekämpfung des Lehrermangels oder der Neuausrichtung der Inklusion arbeiten wir intensiv an weiteren wichtigen schulpolitischen Themen. Dazu zählt auch eine Agenda zur Stärkung der beruflichen Bildung, die wir in den kommenden Monaten konkretisieren wollen. In vielerlei Hinsicht sind wir in der beruflichen Bildung bereits auf einem guten Weg. Ich denke da zum Beispiel an die duale Berufsausbildung, für die in den letzten Jahren im Zuge der wachsenden Jugendarbeitslosigkeit in einigen Teilen Europas auch in der Außenansicht das Lob gewachsen ist. Die duale Berufsausbildung in Deutschland magnetisiert wie kein zweiter Bildungsgang die beiden Pole schulische Bildung und berufliche Ausbildung. Sie ist eine Erfolgsgeschichte. Allein in NRW haben im vergangenen Jahr rund 90.000 Auszubildende im dualen System ihre Berufsabschlüsse gemacht.

Soweit so gut. Dennoch besteht bei allem legitimen Selbstbewusstsein die Gefahr, dass gerade durch den Siegeszug der dualen Berufsausbildung die Relevanz einer viel drängenderen Frage außer Acht gelassen wird: Wie wollen wir die berufliche Bildung so stärken, dass sie auch in Zukunft ein Erfolgsgarant für Nordrhein-Westfalen bleibt? Ein starker Wirtschaftsstandort braucht eine starke berufliche Bildung! Und wenn große gesellschaftliche Umwälzungen wie die Digitalisierung unsere Art zu arbeiten und zu leben transformieren, dann kann auch für die berufliche Bildung nur eine Maxime gelten: Wir dürfen uns nicht auf einem System ausruhen. Stattdessen müssen wir das System mit Blick auf aktuelle Herausforderungen permanent neu justieren und auf Zukunft programmieren. Daran arbeiten wir.

Wie an den allgemein bildenden Schulen führen wir auch die berufliche Bildung schrittweise ins digitale Zeitalter. Ein gutes Beispiel ist die „Zusatzqualifizierung Digitalisierung“ für den Maschinenbau, für die das Land mit der Nachwuchsstiftung Maschinenbau in den nächsten zwei Jahren über sieben Millionen Euro investiert. Mit solchen Initiativen stärken wir den Digitalisierungsprozess, der jedoch nur erfolgreich sein kann, wenn wir die Unternehmen und allen voran natürlich die Schulen mitnehmen.

„Wie wollen wir die berufliche Bildung so stärken, dass sie auch in Zukunft ein Erfolgsgarant für Nordrhein-Westfalen bleibt? Ein starker Wirtschaftsstandort braucht eine starke berufliche Bildung!“

Als nordrhein-westfälische Schulministerin richte ich jede Wegmarke schulpolitischer Veränderung konsequent an einem Leitsatz aus: Beste Bildung gibt es nur mit besserer Bildungsqualität. Genau in dieser Hinsicht ist in der Vergangenheit leider zu viel Potential ungenutzt geblieben. Die Vielfalt des Schulsystems in NRW allein macht noch keine vielfältigen Karriereverläufe aus. Was wir brauchen, sind Abschlussjahrgänge, die mit besten Grundlagen in ein Arbeitsleben in den verschiedensten Bereichen starten – ob Automechaniker, Anlagenmechatroniker oder Anglistikstudent. Unverzichtbar dabei ist, dass junge Menschen ein besseres Verständnis ökonomischer Zusammenhänge bekommen, als dies bislang der Fall war.

Schon unmittelbar zu Beginn meines Amtsantritts habe ich betont, dass wir die ökonomische Bildung an allen weiterführen Schulformen stärken und ein Schulfach Wirtschaft einführen werden. Wir wollen junge Menschen schon in der Schule noch besser auf eine selbstbestimmte Lebensgestaltung vorbereiten. Dazu zählen ganz eindeutig bessere Wirtschaftskompetenzen! Für die Gymnasien läuft bereits der Überarbeitungsprozess der Lehrpläne aufgrund der landesweiten Umstellung auf G9. Im nächsten Schritt werden wir die Lehrpläne für die anderen Schulformen anpassen.

Die Entwicklungsprozesse in unseren Schulen leisten einen Beitrag, eine festere Grundsubstanz des Wirtschaftsstandorts Nordrhein-Westfalen zu formen. Zu einer verantwortungsvollen Bildungspolitik zählt auch das Ablegen von Scheuklappen zur Betrachtung der Welt außerhalb des Kosmos Schule – eine Welt, in die Schule seine Schülerinnen und Schüler entlässt. Danach handeln wir. Für beste Bildung und eine starke Wirtschaft in Nordrhein-Westfalen.