Von Nathanael Liminski

Staatssekretär und Chef der Staatskanzlei des Landes Nordrhein-Westfalen

Das Smartphone organisiert für viele Menschen den Alltag, privat wie beruflich. Allein in Deutschland nutzen rund 57 Millionen Menschen (mindestens) ein solches Gerät. Ein Faktor, der zum Erfolg dieser handlichen Minicomputer beigetragen hat, sind die verfügbaren Applikation, in Kurzform Apps. 2008, vor zehn Jahren, sind die ersten App Stores von Apple und Google gestartet. Aus heutiger Sicht erscheint es kaum zu glauben, dass das erste iPhone noch keinen Zugriff auf einen App Store hatte. Inzwischen erlauben es diese Marktplätze für Anwendungen wie selbstverständlich, das Smartphone den eigenen Bedürfnissen anzupassen. Der Markt für Apps, In-App-Käufe und Abonnements hatte 2017 bereits ein geschätztes Volumen von fast 60 Milliarden US-Dollar und im vergangenen Jahr eine Zuwachsrate von rund 35 Prozent.

Wir brauchen mehr Schnittstellen und Vernetzung zwischen Ingenieuren und Kreativen

Gewiss, diese Erfolgsgeschichte hat ihren Ursprung in den Vereinigten Staaten. Sie bietet aber auch für uns in Nordrhein-Westfalen Inspiration. Denn die App-Marktplätze zeigen, welche Potenziale in der Verbindung von Technologie und Kreativität liegen. Starke digitale Geschäftsmodelle wissen beides zu verbinden. Inhalte zählen auch im Digitalzeitalter und allen Unkenrufen zum Trotz gibt es dafür auch eine wachsende Zahlungsbereitschaft. App-Entwicklerinnen und Entwickler benötigen API (Application Programming Interfaces) als Programmier-Schnittstellen zu den jeweiligen Betriebssystemen. Ich bin überzeugt, heutzutage sind derartige technische Schnittstellen zwar ungemein wichtig, aber nicht hinreichend. Wir brauchen auch menschliche Schnittstellen. Für Nordrhein-Westfalen bietet hier die starke Medien- und Kreativwirtschaft Chancen, ganz konkret zum Beispiel eine konsequente branchenübergreifende Vernetzung zwischen Ingenieuren und Kreativen.

Das Medien-Digital-Land Nordrhein-Westfalen als Ort für Cross-Innovationen

Die regierungstragenden Parteien haben in der Koalitionsvereinbarung das Ziel ausgegeben, den Medienstandort Nordrhein-Westfalen zum Medien-Digital-Land weiter zu entwickeln. Mit dem Beirat Medien-Digital-Land NRW sind wir in einem engen Austausch, wie wir hier gemeinsam mit der Branche vorankommen können. Die Zeit des Silodenkens ist vorbei. Rund 431.000 Beschäftigte erwirtschaften in 25.000 Unternehmen der hiesigen Medien- und Kommunikationsbranche einen Jahresumsatz von 124 Milliarden Euro. In Nordrhein-Westfalen schlägt das industrielle Herz Deutschlands, hier ist der Mittelstand zu Hause und hier entstehen auch mehr und mehr Startups. Mit diesen Voraussetzungen, gepaart mit der vielfältigen Hochschullandschaft und einem hohen Anwendungsbezug haben wir großes Potenzial für Cross-Innovationen. Dafür brauchen wir zwischen der Medien- und Kreativszene und klassischen Wirtschaftszweigen einen intensiven und strukturellen Austausch.

„Wir brauchen auch menschliche Schnittstellen. Für Nordrhein-Westfalen bietet hier die starke Medien- und Kreativwirtschaft Chancen, ganz konkret zum Beispiel eine konsequente branchenübergreifende Vernetzung zwischen Ingenieuren und Kreativen.“

Ein Games-Kompetenzzentrum NRW als branchenübergreifendes Labor

Ein Beitrag der Landesregierung ist die Einrichtung eines neuen Games-Kompetenzzentrums NRW. Akteure unterschiedlicher Branchen sollen sich hier treffen, um kreative und innovative Anwendungen zum Beispiel in den Bereichen Gesundheit, Maschinenbau, Mobilität und Entertainment zu ermöglichen. Das Games-Kompetenzzentrum soll zum Treffpunkt von Politik, Wirtschaft, Hochschulen, Verbänden und Stiftungen werden. Hier sollen gemeinsame Projekte entstehen, Veranstaltungen und Workshops angeboten werden, die Anlehnung zum Gamesbereich haben. Ebenso sollen Weiterbildungsangebote initiiert werden, die zum Ziel haben, das Verständnis für gamifizierte Lösungen in traditionellen Wirtschaftszweigen zu erhöhen. Wenn sich alle Akteure nach Kräften einbringen, haben wir die Chance, eine neue, spannende Innovationsplattform für den Wirtschaftsstandort Nordrhein-Westfalen zu entwickeln. Eine ganz reale Schnittstelle für Ingenieure und Kreative im besten Sinne.

Den Medienstandort Nordrhein-Westfalen gezielt stärken

Das Games-Kompetenzzentrum spielt eine Schlüsselrolle in der medienwirtschaftspolitischen Strategie der Landesregierung. Der Einsatz für den Verbleib der Leitmesse Gamescom in Köln, die neue Gamesrichtlinie und die Verdoppelung der Fördermittel für Games bei der Film- und Medienstiftung NRW sind weitere Eckpfeiler für die systematische Wirtschaftsförderung im Medien-Digital-Land Nordrhein-Westfalen. Hierzu zählen ebenso die neuerlich erhöhten Mittel für die Filmförderung wie auch die geplante Unterstützung von Spitzenveranstaltungen der Branche. Für die Landesregierung ist es ein großes Anliegen, in engem Dialog mit den Branchenakteuren, mit neuen Impulsen und substanziellem finanziellen Engagement aktive Wirtschaftsförderung für den Medienstandort Nordrhein-Westfalen zu betreiben.

Einsatz für Medienfreiheit und Medienvielfalt im Sinne des Landes

Die Landesregierung will Medienfreiheit und Medienvielfalt stärken und den politischen Rahmen für den Medienstandort Nordrhein-Westfalen wo immer es möglich ist, so gestalten, dass die Unternehmen und Akteure hier weiter erfolgreich handeln können. Dazu gehören eine vielfältige Presse-, Fernseh- und Radiolandschaft. Medienpolitik – auch der Einsatz für den Medienstandort – ist kein Selbstzweck. Tausende Journalisten leisten jeden Tag einen unverzichtbaren Beitrag für einen offenen demokratischen Diskurs und die Meinungsbildung im Land. Auch in Zukunft braucht Nordrhein-Westfalen starke Lokalzeitungen ebenso wie einen WDR, der mit seiner Berichterstattung aus den Regionen unverzichtbare Informationen bietet. Gleiches gilt für den privaten Sender RTL und die Regionalfenster RTL West und Sat.1 17:30 NRW. WDR und RTL sind gleichzeitig extrem wichtige Auftraggeber für die leistungsstarke Filmbranche in Nordrhein-Westfalen. Kreativität hat im Medienland Nordrhein-Westfalen viele Facetten, ob in den traditionellen Medien oder in jungen Teilbranchen wie Games oder Webvideo. Rund um die Film- und Medienstiftung NRW, das Mediennetzwerk.NRW und das Mediengründerzentrum arbeiten viele Akteure mit großem Engagement hier am Standort und für den Standort. Als Landesregierung unterstützen wir sie dabei zum Wohle unserer Wirtschaft und der Menschen in unserem Land.