Von Marcus Kaller

Vorstandsmitglied von unternehmer nrw (STRABAG AG)

Die Corona-Pandemie hat die Weltgemeinschaft erschüttert, und der globale Kampf gegen das Virus ist noch nicht gewonnen. Doch zumindest in Deutschland und den anderen großen Industriestaaten wächst mit der täglich zügig voranschreitenden Impfkampagne die begründete Hoffnung, dass der Tiefpunkt der Krise überwunden ist und die ersehnte Normalität im Alltag Schritt für Schritt zurückerobert werden kann. Es ist der richtige Zeitpunkt, innezuhalten für eine kurze Zwischenbilanz.

Staat, Wirtschaft und Gesellschaft in Deutschland, jeder einzelne und wir alle zusammen, haben die Herausforderungen der Corona-Krise in einem kollektiven Kraftakt gemeinsam erfolgreich gemeistert. Keine Frage: Manche Wirtschaftszweige haben die verordneten Lockdown-Regeln empfindlich getroffen, und zahlreiche kleine Betriebe sind in Existenznot geraten. Dennoch, unterm Strich bleibt festzuhalten: Trotz mancher Fehleinschätzungen ist es in Deutschland dank umsichtiger Maßnahmen und hinreichend schneller Reaktion von Politik und Wirtschaft gelungen, eine flächendeckende gesundheitliche und ökonomische Katastrophe zu verhindern.

Die deutsche Bauindustrie hat sich in der Corona-Krise als Stabilitätsanker und Stütze der deutschen Wirtschaft bewährt. Im Pandemiejahr 2020 setzte das Bauhauptgewerbe mit einem Umsatzplus von 5,9 Prozent seinen Wachstumskurs fort – und baute seine Kapazitäten trotz der Corona bedingten Unwägbarkeiten weiter aus: Im Jahresschnitt sind in den Bauunternehmen bundesweit 22.500 neue Arbeitsplätze entstanden. Auch das Handwerk ist gestärkt aus der Krise hervorgegangen. Damit erweisen sich Bauindustrie und Baugewerbe als attraktive Arbeitgeber, die ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern neben einer soliden, praxisbezogenen Ausbildung eine krisenfeste und zukunftssichere Beschäftigung zu bieten haben.

„Wir müssen die Corona-Krise als Chance zur Veränderung begreifen! Und das gilt nicht nur im großen Rahmen, sondern auch im Kleinen für uns alle.“

Für weiter stabile und gute Geschäftsperspektiven der deutschen Bauwirtschaft sorgt der anhaltend hohe Bedarf allein schon an öffentlichen Investitionen. Insbesondere die öffentliche Hand schiebt angesichts vielfach maroder Infrastruktur seit Jahren einen milliardenschweren Investitionsstau vor sich her. Umso alarmierender ist es, dass sich bei Städten und Gemeinden trotzdem ein Trend rückläufiger Ausschreibungen verfestigt hat. Mit dem Einbruch der Gewerbesteuereinnahmen infolge der Corona-Krise ist ganz offensichtlich die finanzielle Handlungsfähigkeit der Kommunen akut gefährdet. Hier müssen wir dringend gegensteuern! Mit dem drohenden Verlust der kommunalen Investitionskraft steht noch mehr auf dem Spiel als ein funktionsfähiges Verkehrswegenetz. Der Sanierungsbedarf in unseren Städten und Gemeinden ist immens – auch in anderen Bereichen: Die Pandemie hat die eklatanten Schwächen bei der Digitalisierung der Schulen schonungslos offengelegt. Es geht hier darum, die Zukunftstauglichkeit unseres Bildungssystems zu sichern. Dafür brauchen wir starke Kommunen! Bund und Länder stehen nun in der Pflicht, die kommunale Investitionsfähigkeit über den Finanzausgleich zügig wiederherzustellen.

Auch in der öffentlichen Verwaltung selbst besteht enormer Nachholbedarf bei der Digitalisierung – im EU-weiten Vergleich hinkt Deutschland hier stark hinterher. Während Unternehmen aller Wirtschaftszweige in der Corona-Krise rasch, flexibel und ohne große Produktivitätsverluste auf Home-Office und digitale Kommunikation umgestellt haben, hapert es in den Ämtern vieler Kommunen dafür schlicht an den technischen Ressourcen. Ein Defizit, das Prozesse systematisch verlangsamt – nicht erst seit Corona. Um diese Investitionsbremse endlich zu lösen, Abläufe zu beschleunigen und transparenter zu gestalten, muss die Digitalisierung der kommunalen Verwaltung nun höchste Priorität haben. Parallel dazu gilt es, die Baukompetenz schon im Planungsprozess mit einzubinden und Infrastrukturprojekte partnerschaftlich umzusetzen, um künftig eine zuverlässig termintreue und budgetgerechte Realisierung sicherzustellen.

Wir müssen die Corona-Krise als Chance zur Veränderung begreifen! Und das gilt nicht nur im großen Rahmen, sondern auch im Kleinen für uns alle. Die Pandemie war und ist auch eine Zeit der Besinnung, hat unseren Blick wieder auf das Wesentliche gelenkt. Einerseits haben Selbstverständlichkeiten, wie der persönliche Kontakt zu anderen Menschen, plötzlich eine ganz neue Bedeutung erhalten. Andererseits haben wir gelernt, dass der Verzicht auf manche liebgewonnene Routine gar nicht so schwerfällt: nicht jede Reise etwa – ob geschäftlich oder privat – ist zwingend nötig. Die Erfahrungen der Pandemie eröffnen uns daher die Chance, künftig nachhaltiger und ressourcenschonender zu agieren. Jeder einzelne für sich, im Kleinen – und gemeinsam als Gesellschaft, im Großen.