Von Ronald Pofalla

Vorstand Infrastruktur der Deutschen Bahn AG

Das größte Infrastruktur-Modernisierungsprogramm der Bahngeschichte läuft auf Hochtouren. Allein im Jahr 2018 fließen in Nordrhein-Westfalen nahezu 1,3 Milliarden Euro in das Schienennetz, in Bahnhöfe und die Energieversorgung der Bahn. So haben wir in diesem Jahr zwischen Duisburg und Essen acht Einzelprojekte zusammengefasst. Dazu gehören vier Brücken, Bahnsteigarbeiten in Mühlheim Hbf, Arbeiten für den Rhein-Ruhr-Express (RRX), Gleis- und Weichenerneuerungen sowie Arbeiten für ein neues Stellwerk in Duisburg.

Die Investitionsoffensive zeigt erste Erfolge: Die Infrastrukturmängel im Schienennetz konnten seit 2015 bundesweit um fast die Hälfte reduziert werden. Landauf, landab erneuern wir Eisenbahnbrücken, machen Bahnhöfe barrierefrei und investieren in zusätzliche Gleise für mehr Kapazität – vor allem in den Ballungsräumen.

Mehr Bauen bringt große logistische Herausforderungen mit sich. Denn trotz des intensiven Baugeschehens wollen wir in Zukunft ein Drittel mehr Züge fahren lassen, als das heute möglich ist. Das schaffen wir mit einer optimalen Baustellenplanung und engen Zusammenarbeit mit den Transporteuren auf der Schiene. Das schaffen wir mit mehr Experten für die Bau- und Betriebsabläufe, die Fahrplanerstellung und den Bau. Das schaffen wir mit mehr Digitalisierung – mit digitalen Werkzeugen zur Diagnose und vorausschauenden Instandhaltung und einem intelligenten Kapazitätsmanagement.

Mehr Verkehr auf der Schiene bedeutet weniger Emissionen, weniger Lärm und weniger Stau. Deshalb investieren wir gemeinsam mit der EU, dem Bund und dem Land NRW in zusätzliche Kapazitäten für die Schiene.

Ein Beispiel ist der Infrastrukturausbau für den RRX. Die Rhein-Ruhr-Region ist die bevölkerungsreichste Metropolregion Deutschlands, ein zentraler europäischer Wirtschaftsraum und ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt. Pro Jahr werden hier rund 500 Millionen Menschen und 120 Millionen Tonnen Güter auf der Schiene befördert. Zusätzliche Angebote und mehr Qualität im Schienenverkehr sind ohne einen Ausbau der Strecken nicht möglich. Für den RRX bauen wir daher zwischen Köln-Mühlheim und Düsseldorf-Benrath die Strecke auf durchgängig vier Gleise aus, im anschließenden Abschnitt Düsseldorf-Benrath bis Duisburg auf sechs Gleise. Darüber hinaus wird zwischen Duisburg und Dortmund punktuell gebaut sowie die Gleisinfrastruktur im Dortmunder Hauptbahnhof modernisiert.

„Mit dem Einsatz moderner Technologien erwarten wir einen deutlichen Schub bei Kapazität und Qualität bei zugleich geringeren Infrastrukturkosten – und damit eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Schiene in Nordrhein-Westfalen.“

Uns ist bewusst, dass mehr Gleise nicht uneingeschränkt auf Akzeptanz stoßen. Mit der Digitalisierung eröffnen sich uns allerdings Möglichkeiten, in Zukunft mehr Verkehr auf die Schiene zu bringen ohne neue Strecken bauen zu müssen. Mit dem Programm „Digitale Schiene Deutschland“ haben wir eine Strategie, die von der ganzen Branche getragen wird. Das Programm macht Platz für tausende zusätzlicher und klimafreundlicher Züge. Bis zu 20 Prozent Kapazitätszuwachs sind möglich.

Die Schlüsselbegriffe sind ETCS (European Train Control System) und digitale Stellwerke. ETCS steht für einen europäischen einheitlichen Standard der Signal- und Sicherungstechnik. Ohne Signale an der Strecke, mit neuen Standards wollen wir den Zugverkehr zuverlässiger und wirtschaftlicher steuern. Das Zugleitsystem ETCS und die neuen digitalen Stellwerke sind ein Quantensprung für mehr Kapazität und eine bessere Vernetzung der Bahnen in Europa.

Dass diese Technik zuverlässig funktioniert, haben wir bereits gezeigt. Auf den 123 Kilometern Schnellfahrstrecke zwischen Erfurt und Halle/Leipzig ist das Fahren ohne Streckensignale seit Ende 2015 Alltag. Genauso wie auf der Ende 2017 in Betrieb gegangenen 107 Kilometer langen Neubaustrecke Ebensfeld–Erfurt. Und im sächsischen Annaberg-Buchholz bewährt sich das erste digitale Stellwerk.

Insgesamt werden wir bundesweit in 14 Projekten bis 2023 rund 2.000 Kilometer Streckennetz ausrüsten. Allein in NRW werden wir in diesem Zeitraum rund 500 Kilometer Strecke mit dem Zugleitsystem ETCS ausrüsten: Den Korridor Rhein-Alpen und wichtige Ausweichstrecken wie von Krefeld/Köln über Viersen in die Niederlande. Außerdem errichten wir modernste Stellwerke in Stolberg und Viersen.

Mit dem Einsatz dieser modernen Technologien erwarten wir einen deutlichen Schub bei Kapazität und Qualität bei zugleich geringeren Infrastrukturkosten – und damit eine Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der Schiene in Nordrhein-Westfalen.