Von Cathrina Claas-Mühlhäuser

Vorsitzende des Aufsichtsrates der CLAAS Gruppe

Wir müssen schneller werden, wenn wir sehen wie sich die Welt um uns verändert. Dazu nur ein Bild: Anstelle der Industrieikonen General Electric und Exxon Mobil stehen im Vergleich zu 2005 heute Apple und Google an der weltweiten Spitze der wertvollsten Unternehmen.

Von uns verlangt die Digitalisierung, den eigenen Erfahrungsschatz auch einmal durch radikale Neulösungen infrage zu stellen: Dafür brauchen wir ein Miteinander und einen ständigen Austausch von Ideen. Das reduziert die Gefahr, zu lange an etwas zu arbeiten, das durch die Arbeit anderer bereits veraltet ist. Mit diesen Gedanken haben wir vor zwei Jahren Mitarbeiter aus den Bereichen Elektronik und Software in einer eigenen Gesellschaft zusammengefasst und den Bau eines neuen Entwicklungszentrums begonnen. Das von CLAAS initiierte Start-up 365 Farm.Net in Berlin vernetzt bereits seit einigen Jahren so unterschiedliche Partner wie die Allianz und GEA. Mit der gleichnamigen Farmmanagementsoftware hat der Landwirt seine Betriebsführung via Smartphone praktisch immer in der Hosentasche mit dabei.

Gute Ideen entwickeln sich aber nicht nur hinter eigenen Mauern. In Ostwestfalen führte dieser Gedanke zur Gründung von „It‘s OWL“. In dem Technologienetzwerk arbeiten Unternehmen wie Miele, Phoenix Contact oder CLAAS gemeinsam mit Universitäten und vielen kleineren Unternehmen an neuen Lösungen und unterstützen Unternehmensgründungen. Hier funktioniert eine Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen großen und kleinen Unternehmen gemeinsam mit Forschung, Verbänden und Politik. Aktuell entsteht in der Region eine Route der Industrie 4.0. Mit dieser dezentralen Ausstellung werden die Konzepte zur Digitalisierung konkret erlebbar.

„So überzeugend uns die Vernetzung zwischen Menschen und Organisationen gelingt, so mangelhaft ist sie weiter bei der zugrundeliegenden Infrastruktur.“

So überzeugend uns die Vernetzung zwischen Menschen und Organisationen gelingt, so mangelhaft ist sie weiter bei der zugrunde liegenden Infrastruktur. Der Ausbau des schnellen Internets versickert in einem Gerangel der Zuständigkeiten und Konzepte. Dabei braucht nicht nur ein Maschinenbauer wie wir die schnellen Datenautobahnen. Unsere Kunden – die Landwirte – müssen Zugang zu schnellem Internet haben, damit Sie von der Vernetzung der Maschinen, modernen Farmmanagementsystemen und der Digitalisierung profitieren können. Wenn wir die ländlichen Räume nicht nur als Lebens- sondern auch als Arbeitsort erhalten wollen, müssen wir jetzt handeln!

Dafür ist auch eine gute Bildungslandschaft notwendig. Gemeint ist nicht nur die Schule, sondern alle Angebote für Kinder und Jugendliche, die im weiteren Sinne einen Bildungsauftrag erfüllen. Nordrhein-Westfalen hat hier im bundesweiten Vergleich noch deutlichen Nachholbedarf. Darüber hinaus gehören zu einer guten Ausbildung in der heutigen Zeit auch zwingend Programmierkenntnisse. In 10 Jahren werden diese genauso wichtig sein, wie das Lesen und Schreiben heute. Nur mit sehr gut ausgebildeten Mitarbeitern werden wir in unserer Region im internationalen Wettbewerb bestehen können.

Infrastruktur heißt immer auch Stahl und Beton. Die Straßen werden immer voller, der Bahnverkehr geht weiter zurück. Gerade in Ostwestfalen würde uns daher ein Bahnausbau helfen, um mehr Pendler für eine Zugfahrt zu gewinnen und Güter auf die Schiene zurückzubringen. Familienunternehmen wie CLAAS stehen für eine langfristige und nachhaltige Geschäftsstrategie. Wir beschäftigen unsere Mitarbeiter oft viele Jahrzehnte, genauso wie wir mit Kunden häufiger über mehrere Generationen zusammenarbeiten. Es ist deshalb unser ureigenes Interesse, die Innovationskraft und Vernetzung in Deutschland, in Nordrhein-Westfalen und natürlich hier in Ostwestfalen-Lippe weiter zu fördern. Dafür brauchen wir den unternehmerischen Freiraum, aber eben auch deutlich mehr Tempo bei der Verbesserung der Infrastruktur.