Von Haakon Herbst

Regionalpräsident DEHOGA Nordrhein-Westfalen

Wer in den letzten Monaten einmal geglaubt hat, die Pandemie sei vorüber, der wurde und wird eines Besseren belehrt. So wie Corona unser Land in Wellen überrollt, gleicht die Stimmung in unserer Branche ebenfalls einer Wellenbewegung. Je höher die Ausschläge der Corona-Welle und damit einhergehend Einschränkungen, Auflagen bis hin zu Schließungen, desto schlechter die Stimmung bei Gastronomen und Hoteliers. Je mehr es den Anschein hat, dass wir die Pandemie in den Griff bekommen könnten, desto besser unsere Laune, weil sich dann wieder ein Gefühl der „alten“ Normalität einstellt.

Momentan befindet sich unsere Stimmung – mal wieder – an einem Tiefpunkt. Die mittlerweile vierte Welle türmt sich vor uns auf, wir sind als Land wieder nicht ausreichend darauf vorbereitet, mit der Pandemie angemessen umzugehen: Impfzentren wurden geschlossen, jetzt wieder eröffnet, Tests kostenpflichtig gemacht, jetzt sind sie wieder kostenlos, die Impfkampagne tritt auf der Stelle, nimmt jetzt aber hoffentlich Fahrt auf, die Politik wirkt hilflos, wertvolle Zeit verstreicht nutzlos. Konsequenzen: Die Inzidenzen schnellen nach oben, Krankenhausbetten werden knapp, die Bevölkerung ist verunsichert, aus 3G wird 2G, „Sonderopfer“ werden schon mal angekündigt und wenn das alles nicht reicht und die Welle weiterwächst, gibt es vielleicht wieder einen Lockdown, den es doch nie wieder geben sollte. Diese Gemengelage bedeutet für viele Unternehmer einen „Quasi-Lockdown“. Fazit nach nunmehr 21 Monaten: Gastronomie und Hotellerie bleiben im Epizentrum politischer Maßnahmen bei der unzureichenden Corona-Bekämpfung.

Wir machen keinen Hehl daraus, dass wir weiterhin gerne Gastgeber für die gesamte Bevölkerung geblieben wären. Wir wollen keine bestimmten Gruppen ausschließen. Das liegt nicht in unserer Gastgeber-DNA. Deshalb lehnen wir 2G ab und wären gerne bei einer 3G-Regelung geblieben, sowie es sie jetzt endlich für ÖPNV und Fernreiseverkehr gibt. Warum nicht bei uns, wo das Infektionsrisiko in Hotels oder Restaurants sicherlich nicht höher ist? Aber neben dem unguten Gefühl, bestimmte potenzielle Gäste abweisen zu müssen, bereitet uns die Tatsache große Sorgen, dass jetzt im zweiten Jahr in Folge das für die Gastronomie so eminent wichtige Jahresendgeschäft wieder empfindlich getroffen wird, nicht nur durch die Einführung der 2G-Regelungen. Im letzten Jahr hatten wir ab November geschlossen, in diesem haben wir uns auf einem akzeptablen Weg befunden, wenn auch nicht mit 2019 vergleichbar. Jetzt holt uns die Pandemie mit voller Wucht wieder ein. Die pandemische Entwicklung und die damit einhergehende steigende Verunsicherung in der Bevölkerung und der Wirtschaft bedeuten für die Branche: deutlich geringere Umsätze wegen weniger Weihnachtsfeiern, mehr abgesagte andere Veranstaltungen, weniger Gäste, die ausgehen. Die stornierten Feiern und Veranstaltungen lagen Mitte letzter Woche bereits bei einem Drittel. 23 Prozent der Übernachtungen – geschäftlich oder privat – wurden storniert. Heute sind die Quoten noch deutlich höher. Tendenz weiter steigend. Stimmung im Gastgewerbe: weiter fallend.

„Die mittlerweile vierte Welle türmt sich vor uns auf, wir sind als Land wieder nicht ausreichend darauf vorbereitet, mit der Pandemie angemessen umzugehen.“

Wegen der sich durch die neuerlichen Maßnahmen und die wachsende Unsicherheit abzeichnenden wirtschaftlichen Folgen für das Gastgewerbe braucht es weiterhin dringend der staatlichen Unterstützungen wie Überbrückungshilfen oder Kurzarbeitergeld und zwar über das Ende dieses Jahres hinaus. Dass diese Erkenntnis auch in der Politik gereift ist, beruhigt etwas. Genauso muss aus unserer Sicht allerdings überprüft werden, ob die aktuellen Hilfen der jetzigen Situation überhaupt noch gerecht werden. Unserer Auffassung nach muss hier deutlich nachgebessert werden. Die Einstiegshürde bei 30 % Umsatzrückgang ist zu hoch angesetzt. Bei einer Branche mit einer maximal 10% Umsatzrendite ist das dauerhaft nicht darstellbar.

In diesem Zusammenhang rücken zwei weitere Problemkreise in den Fokus, die schon zu Beginn der Pandemie angelegt waren: Die im Frühjahr 2020 „gewährten“ Pacht- und Mietstundungen, die 2022 auslaufen und die KfW – Kredite, die jetzt schon bedient werden müssen. Hier fordern wir die Umwandlung von KfW-Krediten in Zuschüsse und eine faire Verteilung des Pachtrisikos zwischen Pächter und Verpächter, wenn Betriebe ihrer Funktion gemäß nicht oder nur äußerst eingeschränkt genutzt werden konnten.  Mit Spannung erwarten wir diesbezüglich den Urteilsspruch des BGH am 1.12.2021.

Wir sind bis dato mehrheitlich gerade so eben durch die Pandemie gekommen. Auch wegen der staatlichen Unterstützung. Diese ganzen Anstrengungen wären komplett umsonst unternommen worden, wenn man uns auf der Zielgeraden nun allein ließe.

Bald ist Weihnachten und damit „Wunschzettelzeit“: Wir wünschen uns (immer noch)

  • eine Politik, die verlässlich und vorausschauend agiert und deren Hilflosigkeit im Umgang mit der Corona-Pandemie endlich ein Ende hat
  • dass, ein „Quasi-Lockdown“ auch nach der kommenden Bund-Länder-Konferenz Anfang Dezember ausgeschlossen bleibt
  • dass der staatliche wirtschaftliche Schadensersatz so lange erfolgt, wie er Corona-bedingt notwendig ist.

Und am Ende hoffen wir, dass wir schnellstmöglich wieder das sein dürfen, was uns antreibt: Gute Gastgeber ohne Einschränkungen zu sein: für jeden Mann und jede Frau. Für alle, die bei uns Gast sein möchten.