Von Dr. Jost Lübben

Chefredakteur der Westfalenpost und der Westfälischen Rundschau

„Von Neheim bis New York“ lautet der Titel einer Serie, in der die WESTFALENPOST kürzlich junge Arbeitnehmer porträtiert hat, die im Sauerland ihre Heimat haben und gleichzeitig in der Welt zu Hause sind. Sie arbeiten in der drittstärksten Industrieregion Deutschlands. Hier sind die Unternehmen und die Unternehmer bodenständig und gleichzeitig offen. Diese Haltung ist gleichsam Bedingung für eine erfolgreiche Zukunft. Die WESTFALENPOST teilt sie uneingeschränkt.

Hinter diesem Verständnis von regionaler Identität steht eben nicht der Gedanke, Entwicklungen in anderen Teilen Deutschlands oder der Welt zu kopieren. Das Plagiat ist kein Erfolgsrezept. Vielmehr geht es darum, den eigenen Horizont zu erweitern und aus diesem Wissen – und der eigenen Stärke – etwas Eigenes, Unverwechselbares zu entwickeln. Was macht eine Regionalzeitung heute bedeutsam und unverzichtbar? Wie müssen wir uns verändern, wenn die pure Berichterstattung von Nachrichten doch längst nicht mehr ausreicht? Vor längerer Zeit hat sich die WP auf den Weg gemacht, Antworten auf diese Fragen zu finden.

Wir sind sicher, dass es richtig ist, die Themen vom Kleinen zum Großen zu entwickeln, nicht umgekehrt. Wir glauben, dass wir den Menschen in der Region eine Debattenplattform bieten können, auf der all die Themen Raum finden, die viele von uns auf der Suche nach ihrer privaten und beruflichen Zukunft bewegen. Für diese Haltung gibt es grundsätzliche, aber auch ganz pragmatische Gründe. Die Prognosen für die demografische Entwicklung im WP-Land sind eine große Motivation zum Gegensteuern.

„Die Menschen und eine moderne Heimatliebe sind der Kern unserer regionalen Identität.“

„Was  braucht Hagen?“

Das Projekt „Was braucht Hagen?“ suchte und fand  Antworten für die Frage nach einer Agenda für den „roten Faden“ dieser Stadt. Wie soll dieses Oberzentrum in fünf oder sieben Jahren aussehen? Zu den Prinzipien der  WP gehört dabei, die Menschen auf möglichst vielen Kanälen einzubinden. Der Lohn dafür war unter anderem der Gewinn des Deutschen Lokaljournalistenpreises. Mit #mehralsnurWP adressierten wir uns später an die Zielgruppe der unter 30-Jährigen. Die Leitfrage lautete: „Was muss sich in Südwestfalen verändern, damit Sie hier beruflich und privat eine Zukunft sehen?“ In einem umfangreichen politischen Teil brachten wir die Zielgruppe mit Ministern des Landeskabinetts zusammen. Bedingung für die Interviews: Die Gesprächspartner verpflichteten sich, eines der von den jungen Leuten vorgetragenen Themen in ihrem Verantwortungsbereich zu verfolgen.

Ein künstlerischer Strang rundete #mehralsnurWP ab. Wir luden Studierende der Hochschule für Künste in Bremen zusammen mit ihrem international renommierten Professor Peter Bialobrzeski ein, die Spannungsbögen der Region in großer Freiheit abzubilden – Stadt und Land, Tradition und  Moderne, Alt und Jung, Gehen oder Bleiben? So entstand „Die andere Sicht“. Das Konzept folgt der Idee, die fremde Perspektive als Herausforderung und Bereicherung zu betrachten. Es kann helfen, sich ab und zu den Spiegel vorhalten zu lassen und auch Kritik selbstbewusst auszuhalten. Bis vor wenigen Tagen lief die Foto-Ausstellung „Die andere Sicht“ im Hagener Osthaus Museum. Mehrfach haben wir Leserinnen und Leser zur Diskussion mit den Künstlern eingeladen. Der Austausch mit ihnen steht im Mittelpunkt. Und er wird weitergehen. In den nächsten Monaten wenden wir uns den ganz persönlichen  Zukunftswünschen der verschiedenen Generationen zu und schreiben ihre Geschichten auf. Die Menschen und eine moderne Heimatliebe sind der Kern unserer regionalen Identität.