Von Horst Gabriel

Geschäftsführender Gesellschafter der Ernst Ludwig Emde GmbH und Vizepräsident unternehmer nrw

Alle reden vom Klimaschutz, aber kaum jemand will bei sich selber anfangen, sondern erst einmal von der Politik einfordern. Wir brauchen aber eine Einstellung, bei der jeder in seinem Bereich anpackt und nicht reihum auf den anderen zeigt. Und das ist die Stärke der Wirtschaft. Allein schon aus Gründen der Ökonomie ist die Ökologie seit Jahrzehnten im Vordergrund, sei es bei den Prozessen in den Betrieben oder beim Bau der Unternehmen. Nur so entstehen zukunftssichere Arbeitsplätze. Politik darf die Wirtschaft nicht blockieren, so wie es das grüne Umweltministerium in NRW in der letzten Legislaturperiode jahrelang gemacht hat. Im Gegenteil, wir brauchen mehr Tempo bei der Umsetzung, sonst schaffen wir als Gesellschaft die ambitionierten Ziele der Politik nicht. Denn ohne funktionierende Wirtschaft kommen sowohl der Arbeitsmarkt und auch das Gemeinwesen schnell in massive Schwierigkeiten. Logisch, aber in der Politik selten wiederzufinden.

Mir ist eine globale Denkweise ohne Restriktionen durch Ideologien immer wichtig gewesen. In der politischen und medialen Diskussion sehen wir aber: Einmal ist der Teufel das CO2, dann Stickoxide, CO2 ist auf einmal nicht mehr so schlimm, sonst wäre der Diesel nicht so verpönt – dann ist nur noch Elektro toll, ohne an die Produktion des Stroms und der Batterien zu denken, von der Entsorgung gar nicht zu sprechen. Batterien sind aber keine Stromspeicher, es sind galvanische Elemente mit allen negativen Auswirkungen auf die Umwelt. Aber auch wenn Elektro gerade „in“ ist, wird trotzdem nicht über die notwendigen Stromleitungen nachgedacht, weil die sind ja auch des Teufels. Warum nicht ein Mobilitätsmix mit intelligenten Steuerungen bei den neuen Autos und synthetischen Kraftstoffen beim Altbestand? Dann kommen wir dem emissionsfreien Fahren viel schneller näher, besonders wenn der synthetische Kraftstoff aus erneuerbaren Energien erzeugt wird.

„Ohne funktionierende Wirtschaft kommen sowohl der Arbeitsmarkt und auch das Gemeinwesen schnell in massive Schwierigkeiten.“

Die Politik muss aufhören, immer nur ein Thema isoliert zu betrachten und dabei das große Ganze zu vergessen. Wir diskutieren mit Inbrunst über Nebensächlichkeiten und vergessen den Gesamtzusammenhang der zentralen Zukunftsfragen. Eine höhere Besteuerung der Leistungsträger ist dann wichtiger als ein Konzept zur Finanzierung der Klimawende. Denn die wird es nicht umsonst geben und die Wirtschaft wird ihren Beitrag leisten, zum Beispiel mit der Umstellung auf die Stahlproduktion mit grünem Wasserstoff.

Deutschland hat oft genug bewiesen, dass wir Krisen können. Und woran liegt das? Seriöse Analytik statt Ideologie hat uns immer geholfen, zuletzt in der Pandemie. Krisenmanagement geht jedoch nur mit festen Grundwerten. Hier können wir keine Parteien gebrauchen, die in sich gespalten sind und wie die Fahnen im Wind hin- und herschwingen. Deshalb dürfen wir gerade die Klimawende nicht den lauten Weltverbesserern überlassen, sondern müssen auf wissenschaftlich fundierter Basis ein Gesamtkonzept entwickeln. Das allerdings bitte ganz schnell.