Von Andreas Busacker

CFO Schmitz Cargobull AG und Vorsitzender des Verbandes Münsterländischer Metallindustrieller

Es ist die heiße Phase des Wahlkampfs: In wenigen Tagen wissen wir, welchen Parteien der Souverän für die nächsten vier Jahre sein Vertrauen schenken will. Fest steht: Es werden entscheidende Jahre für unser Land werden. Denn es werden die Weichen dafür gestellt, ob Deutschland ein Industrieland bleiben wird, ob wir die Mammut-Aufgabe der Dekarbonisierung ökonomisch und auch sozial bewältigen können, ob wir bei der Digitalisierung unseres Landes vorankommen und ob wir der großen Herausforderung der demografischen Entwicklung mit den richtigen Maßnahmen begegnen.

Wenn ich die Wahlkampfdebatten verfolge, dann freue ich mich darüber, dass zumindest in den letzten Wochen endlich auch über diese Inhalte diskutiert wird. Das war längst überfällig, denn für uns Unternehmer und unsere Beschäftigten muss doch klarwerden, mit welchen politischen Strategien die Parteien Wohlstand und Arbeitsplätze in unserem Land sichern wollen. Denn machen wir uns nichts vor: Die internationale Wettbewerbsfähigkeit unserer Wirtschaft hat in den letzten Jahren massiv gelitten, Deutschland ist in der Konkurrenz der Standorte zurückgefallen. Um den Rückstand wieder aufzuholen, brauchen wir eine wirtschaftspolitische Trendwende!

Und die gelingt nur mit der Wirtschaft und nicht gegen sie. Ich erwarte, dass die Politik wieder mehr auf die Stimmen der Unternehmer hört. Viel zu lange hat sie darauf geachtet, wie sie den Kuchen verteilt, ohne daran zu denken, wie er produziert wird. Alles, was wir uns an sozialen Wohltaten leisten können, muss zunächst erwirtschaftet werden. Diese Erkenntnis muss sich auch in der Politik wieder viel mehr durchsetzen. Und weil der Klimaschutz völlig zurecht eine wichtige Rolle im Wahlkampf spielt: Es wäre auch gut, würden Teile der Politik erkennen, dass die Industrie hierzulande längst klimafreundlich produziert. Da macht uns keiner in der Welt etwas vor.

„Transportwege und Strompreise müssen so ausgerichtet sein, dass sich der Einsatz von Wasserstoff in der Industrie auf Dauer auch betriebswirtschaftlich rechnet. Sonst werden wir die Klimaziele nicht erreichen können.“

Dass wir den Klimaschutz voranbringen müssen, steht außer Frage. Doch auf dem Weg zur Klimaneutralität brauchen wir vor allem Technologieoffenheit. Nicht gebrauchen können wir indes Vorgaben, die technologisch nicht erfüllbar sind, die Technik verbieten und ausgerechnet jene Innovationen verhindern, die den Klimaschutz voranbringen können. Ich wünsche mir viel mehr Vertrauen der Politik in die ressourcenschonende Leistungsfähigkeit unsere Industrie. Denn wenn wir wirklich für den deutschen Weg der Dekarbonisierung Nachahmer in der Welt finden wollen, dann geht das nur mit ökonomischem Erfolg.

Der Einsatz von Wasserstoff wird dabei von zentraler Bedeutung sein – gerade für den Nutzfahrzeugbereich. Mit großen Wasserstofftanks können Reichweiten von bis zu 1.000 Kilometern möglich sein. Deutschland könnte hier weltweit eine absolute Führungsrolle einnehmen – auch über die Mobilität hinaus. Doch hier müssen wir die Politik in die Pflicht nehmen. Denn Transportwege und Strompreise müssen so ausgerichtet sein, dass sich der Einsatz von Wasserstoff in der Industrie auf Dauer auch betriebswirtschaftlich rechnet. Sonst werden wir die Klimaziele nicht erreichen können. Und ohne unsere Industrie und unsere Beschäftigten werden wir auch den Wohlstand in unserem Land nicht halten können.

Die Politik muss hier nach der Wahl schnell die richtigen Signale senden. Tut sie das nicht, mache ich mir Sorgen, dass aus unserem Land Teile unserer integrierten industriellen Wertschöpfungsketten abwandern könnten. Das geht nicht nur zu Lasten der Attraktivität unseres Industriestandorts. Wir würden dann unsere Wettbewerbsfähigkeit gefährden und das auf Kosten vieler Arbeitsplätze – der Grundlage für den Wohlstand unseres Landes. Ich erwarte, dass die nächste Bundesregierung alles dafür tut, dass Deutschland ein Industrieland bleibt!