Von Dr. Rolf Breidenbach

Vorsitzender der Geschäftsführung HELLA GmbH & Co. KGaA

Die Automobilindustrie durchläuft zurzeit einen tiefgreifenden Wandel. Dieser Transformationsprozess wird im Wesentlichen durch vier große Trends bestimmt: Autonomes Fahren, Effizienz und Elektrifizierung, Konnektivität und Digitalisierung sowie Individualisierung. Herkömmliche Wertschöpfungsstrukturen sowie Geschäftsmodelle werden in dem Zuge mitunter auf den Kopf gestellt.

Damit sind auch große Herausforderungen für den Standort Deutschland verbunden. So kommt der Automobilindustrie gerade in Deutschland mit über 800.000 Beschäftigten eine hohe Bedeutung als Schlüsselbranche zu. Das gilt ebenso für den Standort Nordrhein-Westfalen. Rund 800 Unternehmen mit über 200.000 Beschäftigen umfasst die Automotive-Branche hierzulande. Insgesamt ein Drittel aller deutschen Zulieferbetriebe ist hier angesiedelt. Allein HELLA beschäftigt inklusive Tochter- und Gemeinschaftsunternehmen rund 11.000 Mitarbeiter in NRW. Insgesamt steuern wir von unserer Unternehmenszentrale im westfälischen Lippstadt aus ein globales Netzwerk bestehend aus über 125 Standorten und weltweit mehr als 40.000 Mitarbeitern.

In Zeiten der grundlegenden Transformation der Mobilität geht es jetzt darum, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Jedes Unternehmen wird dabei seinen eigenen Weg finden müssen. Schauen wir auf HELLA, kristallisieren sich insbesondere vier zentrale strategische Stoßrichtungen heraus.

Erstens kommt es darauf an, dass wir unsere Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten konsequent an den zentralen Markttrends der Branche ausrichten. So investieren wir rund 10 Prozent unseres Umsatzes in Forschung und Entwicklung. Fast jeder fünfte Mitarbeiter bei HELLA arbeitet heute in diesem Bereich. Ein Großteil unserer Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten ist dabei in Nordrhein-Westfalen angesiedelt. Diese Innovationskraft ist eine wesentliche Basis unserer Wettbewerbsfähigkeit.

Zweitens müssen wir den Ausbau unseres globalen Produktions- und Entwicklungsnetzwerks weiter vorantreiben. Dadurch stärken wir unsere Kundennähe und können Produktkonzepte noch zielgerichteter auf lokale Marktgegebenheiten zuschneiden. Auf diese Weise stärken wir unsere Marktposition in internationalen Kernmärkten und partizipieren an globalen Wachstumschancen. Dadurch sichern wir nicht zuletzt auch Arbeitsplätze in Nordrhein-Westfalen.

„In Zeiten der grundlegenden Transformation der Mobilität geht es jetzt darum, die richtigen Weichen für die Zukunft zu stellen. Jedes Unternehmen wird dabei seinen eigenen Weg finden müssen.“

Um innovative Lösungen für die Mobilität von Morgen zu entwickeln, setzen wir drittens verstärkt auf Kooperationen. Schließlich können wir nicht alles alleine machen. Schon heute verfügen wir über ein leistungsstarkes Partnernetzwerk. Dazu gehören auch enge Partnerschaften mit Forschungseinrichtungen. Aufgrund der vielfältigen und engmaschigen Hochschullandschaft bietet uns gerade Nordrhein-Westfalen hierfür einen guten Nährboden.

Viertens ist es wichtig, dass wir unsere Software- und Digitalkompetenz weiter ausbauen. Denn klar ist, dass die automobile Zukunft maßgeblich von Programmierern und Softwareentwicklern mitgeschrieben wird. Schon heute beschäftigen wir weltweit rund 2.000 Softwareexperten. Diese Zahl wird weiter zunehmen. Nicht zuletzt vor diesem Hintergrund treiben wir auch den Bau eines „Digital Innovation Campus“ in Lippstadt zusammen mit weiteren Partnern aus der Region voran.

Fest steht: Die tiefgreifenden Veränderungen, die unsere Branche derzeit umfassen, stellen große Herausforderungen dar. Automobilhersteller und Zulieferer sind dabei gleichermaßen gefordert. Damit verbunden sind aber auch große Chancen – nicht nur für HELLA, sondern für den Automobilstandort Deutschland im Allgemeinen und unsere Heimatregion Nordrhein-Westfalen im Besonderen. Diese gilt es zu nutzen, indem wir jetzt mit Weitblick die richtigen Weichen stellen.