Von Carl Martin Welcker

Präsident des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau

Der Maschinen- und Anlagenbau in Nordrhein-Westfalen ist größter Arbeitgeber des Landes und produziert etwa jede fünfte Maschine, die in Deutschland hergestellt wird. Mit einem Exportanteil von mehr als 70 Prozent sind die Unternehmen unserer Branche weltweit unterwegs und liefern Lösungen für die Probleme unserer Zeit: Urbanisierung, Mobilität, Klimaschutz, Ernährung von acht Milliarden Menschen.

Damit der Maschinenbau auch zukünftig erfolgreich auf den Weltmärkten agieren kann, müssen die Rahmenbedingungen verbessert werden. So bedeuten beispielsweise die Antrags-, Genehmigungs- und Zollprocedere eine bürokratische Hürde für Exporteure, die Bundeshilfen für die Exportfinanzierung sind im Vergleich zu anderen EU-Ländern unterdurchschnittlich und die Visaregelungen für Mitarbeiter ausländischer Tochterunternehmen sind zu umfangreich. Ob die Unternehmen auf den internationalen Märkten auch in den nächsten Jahren wettbewerbsfähig sind, hängt zudem maßgeblich von der zur Verfügung stehenden Infrastruktur ab und zwar sowohl bei den Verkehrswegen als auch bei den digitalen Netzen. Hier müssen gerade jetzt die Weichen für die Zukunft gestellt werden. Limitierender Faktor für die Digitalisierung sind vor allem die fehlenden flächendeckenden Breitbandnetze.

Der Ausbau der Infrastruktur in den nächsten Jahren wird entscheiden, ob unsere Industrie – gerade die Mittelständler – überhaupt in der Lage sein werden, ihr Potential abzurufen. Bisher gilt „Maschinenbau Made in Germany“ als Gütesiegel in der Welt. Die Innovationen unserer Branche sorgen weltweit für mehr Produktivität und damit Wohlstand. Zukünftig geht es aber nicht darum, ob der eine oder andere Prozess mal ein paar Sekunden länger dauert. Es geht darum die Grundlagen zu schaffen, um notwendige neue Geschäftsmodelle und eine intelligentere Produktion umzusetzen.

Die allgegenwärtigen Trends Digitalisierung, Globalisierung, Komplexitätszunahme und Tertiarisierung wirken sich zunehmend auf die Unternehmen aus. Es gibt neue Märkte, neue Geschäftsmodelle entstehen. Wer jetzt nicht die Weichen in Richtung Zukunft stellt, wird zukünftig keine Chance auf den Weltmärkten mehr haben. Deshalb müssen jetzt die passenden Infrastrukturen für unser Land geschaffen werden.

„Wer jetzt nicht die Weichen in Richtung Zukunft stellt, wird zukünftig keine Chance auf den Weltmärkten mehr haben. Deshalb müssen jetzt die passenden Infrastrukturen für unser Land geschaffen werden.“

Noch sind wir in Nordrhein-Westfalen an der Spitze des heimischen Breitbandausbaus bis 50 Mbit/s. 82,2 Prozent der Einwohner haben eine Anschlussqualität von mindestens 50 Mbit/s. Doch hat dies größtenteils mit der hohen Bevölkerungsdichte unseres Bundeslandes und den damit lohnenden Investitionen der Netzbetreiber zu tun. Der ländliche Bereich, in dem viele Maschinenbauer zuhause sind und damit dort auch Arbeitsplätze sichern, ist häufig noch nicht ausreichend angeschlossen. Deshalb kann das erklärte Ausbauziel 50 Mbit auch nur ein kurzfristiges Zwischenziel sein. Was wir für unsere internationale Wettbewerbsfähigkeit jedoch dringend benötigen, sind flächendeckende Datenautobahnen mit 1 Gbit/s auch in ländlichen Regionen.

Wie Minister Pinkwart vor kurzem auf dem wirtschaftsblog.nrw festgestellt hat, investiert das Land NRW bis zum Jahr 2025 bis zu 7 Milliarden Euro in den Ausbau des Breitbandnetzes. Allerdings sind davon nur etwa zwei Milliarden Euro aus dem Landeshaushalt eingeplant – also weniger als 300 Mio. p.a.. Ein Tropfen auf den heißen Stein. Allein von der neuen Bundesregierung sollten bis zum Ende der Legislaturperiode 2021 40 Milliarden Euro für den Aufbau eines flächendeckenden Glasfaserkabelnetzes eingeplant werden. Zum Vergleich: Saudi-Arabien möchte allein für seine neue Mega-City Neom 500 Milliarden Euro bis 2030 investieren.

In diesen Tagen feiert der VDMA sein 125-jähriges Bestehen. Dabei ist unser Verband als größter Industrieverband Europas nur so stark, wie die Leistungen seiner Mitglieder. In den zurückliegenden Jahren war der Maschinenbau immer auch Treiber der Wirtschaft und sorgte für Arbeitsplätze und Wohlstand des Landes. Deshalb fordere ich die Politik auf alles zu tun, um die internationale Wettbewerbsfähigkeit des produzierenden Gewerbes zu stärken. Die digitale Infrastruktur wird die Grundlage unseres Wirtschaftens der Zukunft sein. Lassen Sie uns dafür sorgen, dass wir auch in den nächsten 125 Jahren in Deutschland und in Nordrhein-Westfalen großartige Maschinen bauen.