Von Rasmus C. Beck

Vorsitzender Business Metropole Ruhr GmbH

Das Ruhrgebiet ist eine starke Region

Es will keine Almosen, es will gerechte Voraussetzungen. Die Region hat sich in vielen Jahren wieder ein Fundament erarbeitet. Viele Jobs sind entstanden, die größte Hochschullandschaft und ein starkes industrielles Rückgrat sind etabliert. Darauf gilt es konsequent aufzubauen. Eine klare Wachstumsorientierung muss weiterhin der Leitfaden für das Handeln sein – denn die Region muss weiter aufholen im Vergleich mit anderen Metropolen.

Die Entwicklung der Region war und ist eine Aufholjagd. Bei vielen Fundamentaldaten performt die Region noch schlechter als andere Regionen. Aber es ist eine Aufholjagd, in der das Ruhrgebiet schon einige Meter wett gemacht hat. Wir sind auf dem Sprung. Aktuelle Daten der NRW.Bank unterstreichen dies. Die Wirtschaft des Ruhrgebiets ist demnach zuletzt stärker gewachsen als im Landesdurchschnitt. Besonders stark wirtschaftete die Industrie. Die Umsätze entwickelten sich deutlich besser als im Schnitt Nordrhein-Westfalens. Die Beschäftigung ist mit über 1,7 Millionen sozialversicherungspflichtig Beschäftigten so hoch wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Wichtige wachstumsstarke Leitmärkte wie Mobilität, Gesundheitswirtschaft und Digitale Kommunikation gedeihen und werden zu Lokomotiven des Wachstums.

Wie passen negative Schlagzeilen und diese positiven Zahlen zueinander? Um das zu verstehen, braucht es einen Perspektivwechsel. Das Ruhrgebiet ist in seiner Entstehung und seinem Wandel mit nichts in Deutschland zu vergleichen. Global betrachtet, dürfte die Metropole Ruhr die Industrieregion im Westen sein, die den Wandel von der reinen Montanregion zu einer modernen Urbanität am erfolgreichsten gemanagt und ohne soziale und ökonomische Brüche geschafft hat. Das ist gut. Aber es reicht nicht im Vergleich mit anderen. Stehen bleiben kann und will deshalb niemand in der Metropole Ruhr.

Nur Wachstum ist der Treibstoff für die Aufholjagd. Dafür braucht es viel Anstrengung in der Region, zielgenaue Unterstützung vom Land und faire Voraussetzungen vom Bund. Zu diesen gehört eine Entschuldung der Städte, wie sie in der Regionalstudie des IW klar analysiert und aufgezeigt wurde. Nur Kommunen mit Beinfreiheit können harte und weiche Standortfaktoren aktiv so gestalten, dass sie für Unternehmen und Fachkräfte in Zukunft attraktiv sind. Das Land hat sich auf den Weg gemacht, die Region zu unterstützen. Die Ruhrkonferenz ist ein bottum-up-Ansatz, der viele Ideen sichtbar hat werden lassen. Nun gilt es, den eigenen Anspruch mit umsetzbaren Projekten und gezielten Investitionen auch zu erfüllen. Es muss zudem gelingen, den Dialog-Prozess auf Dauer zu verstetigen.

Das Ruhrgebiet ist heute eine echte Chancenregion.

Wachstum generiert sich in Zukunft aus vielen Faktoren. Die allermeisten liegen in der Region selbst. Die 22 Hochschulen und die Forschungsinstitute sind ein neues Fundament. Der Rohstoff war einst die Kohle; in Zukunft ist es Wissen. Die Industrie ist gemeinsam mit Wissenschaft und Forschung der produktive Kern des Ruhrgebiets. Aus dieser Mischung entsteht Innovation. Nicht zufällig konzentriert sich die dynamisch wachsende Start-up-Szene der Region auf das B2B-Geschäft.

Unternehmen brauchen auch Fläche, wenn sie wachsen oder sich ansiedeln wollen. Und Flächen werden knapp. Die Verzögerung des Regionalplans ist daher zunächst ein Rückschlag. Aber nun muss umso konsequenter gehandelt werden. Es gilt, gemeinsam mit Kommunen, Wirtschaftsförderungen und Regionalplanung die Ärmel hochzukrempeln, um schnell und pragmatisch einzelne Gewerbeflächen planerisch zu ermöglichen.

Regionale Kooperationsstandorte und die Standorte der Steinkohlekraftwerke können dabei langfristig notwendige Flächenpotenziale sein.

Entwicklung kann auch hier nur in Kooperation gelingen. Das Kirchturmdenken alter Schule, ein Klischee des Ruhrgebiets, ist längst nicht mehr die gelebte Realität. Es ist ein Symbol für vergangene Zeiten. Der Wille zu Kooperation bleibt aber nur dann stark, wenn alle wissen, welchen Vorteil ihnen regionale Zusammenarbeit bringt. Bei der Business Metropole Ruhr haben wir den Begriff der Beutegemeinschaft geprägt. Grundvoraussetzung ist das Wissen um die eigenen Stärken – und um die der Partner. Die Region ist differenziert – heute mehr denn je. Mit Cybersecurity in Bochum, Logistik in Duisburg oder Bio- und Mikrotechnologie in Dortmund, um nur einige Beispiele zu nennen. Versteht man das Ruhrgebiet als Netz, eröffnen diese Knotenpunkte wieder neue Anknüpfungspunkte für eine intelligente Spezialisierung.

Das Ruhrgebiet ist heute eine echte Chancenregion. Aber Chancen müssen genutzt werden. Wenn dies gelingt, wird das Ruhrgebiet in Zukunft vor allem eines: überraschen.