Von Garrelt Duin

Minister für Wirtschaft, Energie, Industrie, Mittelstand und Handwerk des Landes Nordrhein-Westfalen

Wir in NRW bauen kräftig am Internet. Es braucht aber auch die Dinge, um zu einem großen Wurf zu werden. Wir haben sie – was uns vor den meisten  anderen Ländern auszeichnet. Doch die Dinge sind nicht virtuell, sondern ganz herkömmlich aus Stein, Beton, Metall oder Kunststoff. Sie entwickeln sich und brauchen Platz.

Auch Platz haben wir. Genug. Aber leider können Industrie, Handwerk und Gewerbe oft nicht so ohne weiteres dort siedeln, wo es sich anbietet. Denn Stahlindustrie, Bergbau, Kokereien, Schokoladenfabriken, Textilfabriken, Brauereien oder auch das Militär haben über Jahrzehnte ihre tiefen Spuren im Sand hinterlassen.

Bevor dort Neues entstehen kann, müssen wir den Boden reinigen oder austauschen. Das geht ins Geld, das die Kassen des Landes, der Kommunen und Unternehmen schnell überfordert.

Die „Wiedernutzung von Brachflächen“, wie es im Fachjargon und auch im Landesentwicklungsplan heißt, ist an sich eine feine Sache. Wir müssen keine neuen Flächen versiegeln und bringen belastete Altflächen umwelttechnisch wieder in Schuss. Betriebe, die sich erweitern oder erst noch gegründet werden wollen, sind dort bestens aufgehoben. Auch städtebaulich sind wir auf Kurs, denn wir schließen zum Teil hässliche Lücken. Bei alledem lacht sogar das ökobewegte Herz.

„Die Lösung heißt „Gewerbebrache zu Gewerbeland“, nicht „Brache zu Biotop“

Um mögliche Missverständnisse im Keim zu ersticken: Die Lösung heißt „Gewerbebrache zu Gewerbeland“, nicht „Brache zu Biotop“. Der alte Zweck wird wieder der neue – aber auf jüngstem Stand der Umwelttechnik.

Doch es ist nicht so einfach, wie es aussieht. Nur etwas mehr als die Hälfte der gewerblich verfügbaren Flächen zum Beispiel in der Metropole Ruhr sind tatsächlich nutzbar, der große Rest ist mehr oder weniger belastet und braucht teure, sehr teure Pflege. So habe ich im vorigen Jahr 90 Prozent der gesamten GRW-Mittel für die Re-Vitalisierung einer Opel-Fläche in Bochum ausgegeben. GRW ist die Bund-Länder-Gemeinschaftsaufgabe zur „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ und das zentrale Instrument der nationalen Regionalpolitik in Deutschland. Das Geld ist zwar sehr gut angelegt in Bochum, aber ein solcher Kraftakt ist kaum wiederholbar.

NRW ist groß und der Brachen sind viele. Ich erwarte dafür Strukturhilfe aus Berlin. Das ist mehr als recht und billig: Die alte Industrie an der Ruhr garantierte den Wohlstand in Deutschland, die neue Nutzung ihrer Brachen ist deshalb auch eine nationale Aufgabe.  Um Boden wieder gut zu machen, müssen alle in die Tasche greifen.