Von Yvonne Gebauer MdL

Ministerin für Schule und Bildung des Landes Nordrhein-Westfalen

Die Coronavirus-Pandemie hat viel aus dem Gleichgewicht gebracht. Sie hat aber auch aufgezeigt, wie wichtig ein geregelter Schulalltag für junge Menschen ist. Schule stellt als wichtigster Bildungsort im sozialen Raum einen Ankerpunkt im Leben junger Menschen dar. Im Schuljahr 2020/21 soll der angepasste Schulbetrieb in Corona-Zeiten deshalb für die Schülerinnen und Schüler aller Jahrgänge an allen Schulformen wieder weitgehend im Präsenzunterricht erfolgen – bei klaren und weitreichenden Maßnahmen zum Infektionsschutz.

Denn der Präsenzunterricht ist und bleibt für unsere Schülerinnen und Schüler die beste Form des Lernens und ist auch von unseren Lehrerinnen und Lehrern die bevorzugte Form des Lehrens. Im Hinblick auf den Bildungserfolg bietet der Präsenzunterricht die besten Chancen für alle Schülerinnen und Schüler und dient somit auch der Chancengerechtigkeit. Kinder und junge Menschen haben ein in der Verfassung verankertes Recht auf Bildung und Erziehung – auch und gerade in herausfordernden Zeiten.

Gleichzeitig muss der Schutz der Gesundheit der Lehrkräfte, der Schülerinnen und Schüler, sowie aller am Schulleben Beteiligten sichergestellt sein. Die Coronavirus-Pandemie wird uns auf absehbare Zeit in unserem Alltag begleiten. Angesichts des aktuellen Infektionsgeschehens und der mit der Reisesaison verbundenen Unsicherheiten und besonderen Herausforderungen bei der Kontaktverfolgung hat Nordrhein-Westfalen strenge Schutzmaßnahmen getroffen.

So wird die Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes in Schulen deutlich ausgeweitet, sodass für Schülerinnen und Schüler ab Klasse 5 grundsätzlich auch in der Zeit des Unterrichts eine Maske getragen werden muss – befristet bis zum 31. August 2020. Eine Maßnahme, die für die Schülerinnen und Schüler sowie für die Lehrkräfte sicherlich keine angenehme ist. Sie ist aber notwendig, um die Gesundheit aller zu schützen. Mit Beginn des neuen Schuljahres kann sich außerdem das an Schulen tätige Personal alle 14 Tage freiwillig testen lassen.

Sollte es im kommenden Schuljahr dennoch zu Distanzunterricht kommen müssen, wurden viele Maßnahmen getroffen, um die Schulen darauf bestmöglich vorzubereiten. Der Schlüssel dazu ist die Digitalisierung.

Vor drei Jahren ist die Landesregierung angetreten, um die Schulen in Nordrhein-Westfalen fit zu machen für die digitale Zukunft. Digitale Kompetenzen sind die Schlüsselkompetenzen der heutigen Zeit. Corona hat den großen Nachholbedarf bei der Digitalisierung unserer Schulen wie unter einem Brennglas vor Augen geführt. Es zeigt sich, wie desinteressiert die rot-grüne Vorgängerregierung beim Thema „Digitalisierung“ war, und wie richtig und wichtig es war, dass diese Landesregierung in den letzten drei Jahren intensiv am Thema „Digitalisierung“ gearbeitet hat.

Bund, Land und Kommunen haben umfangreiche Finanzmittel bereitgestellt, um sowohl alle rund 200.000 Lehrkräfte als auch die Schülerinnen und Schüler, die bislang nicht über ein digitales Endgerät verfügen, mit einem solchen auszustatten. Mit rund 350 Millionen Euro investiert die Landesregierung in das Lehren und Lernen mit digitalen Medien. Diese ist die größte digitale Ausstattungsoffensive für Schulen, die es je in Nordrhein-Westfalen gegeben hat.

Wir unterstützen die Schulen auf vielfältige Weise darin, die rechtlichen, organisatorischen und didaktisch-methodischen Herausforderungen des Lernens auf Distanz zu bewältigen. Denn Technik allein macht keinen Unterricht. Unser Ziel ist der Präsenzunterricht, gleichzeitig treffen wir im Sinne des Rechts auf Bildung aber organisatorische und pädagogische Vorkehrungen für das Lernen auf Distanz, sollte dies notwendig werden.

Für die beruflichen Schulen birgt der Unterricht auf Distanz aufgrund der fachpraktischen Anteile weitere Herausforderungen. Durch verschiedene Regelungen sorgen wir hier für mehr Flexibilität und damit für Planungssicherheit.  Denn die Stärke Deutschlands als Wirtschaftsstandort ist nicht zuletzt unserem dualen Ausbildungssystem geschuldet. Ohnehin hat sich die Landesregierung dazu entschlossen, die ökonomische Bildung zu stärken. Das Schulfach Wirtschaft, das an Gymnasien bereits erfolgreich etabliert wurde, wird daher in seinen verschiedenen Spielarten im neuen Schuljahr auch an den Hauptschulen, Realschulen und Gesamt- und Sekundarschulen des Landes eingeführt. In einer globalisierten Welt ist die ökonomische Bildung ein unverzichtbarer Bestandteil der Allgemeinbildung. Denn Wirtschaft bildet nicht nur das Fundament unseres gesellschaftlichen Wohlstands, sie ist auch im Alltag ständiger Begleiter. Ein solides Grundwissen darüber, wie unser Wirtschaftssystem funktioniert, oder Kenntnisse über Rechte und Pflichten als Verbraucher sind Alltagskompetenzen und befähigen unsere Schülerinnen und Schüler die politischen, sozialen und wirtschaftlichen Verhältnisse in unserer Gesellschaft verantwortungsvoll mitzugestalten.