Von Thomas Schnalke

Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Düsseldorf GmbH

Die Covid-19-Pandemie ist für alle Bereiche unserer Gesellschaft ein historischer Einschnitt, der insbesondere in zahlreichen Wirtschaftszweigen nachhaltig Spuren hinterlassen hat – und wird. Viele Branchen wurden infiziert, sind stark geschwächt und haben nun einen langen, anstrengenden Weg der Rekonvaleszenz vor sich, darunter auch der Luftverkehr.

Dabei stehen Flugreisen nicht allein für unvergessliche Urlaubserlebnisse. Sie verbinden. Sie bringen Menschen über Länder und Grenzen hinweg in den Austausch, halten Freundschaften und Familienbeziehungen lebendig, ermöglichen wirtschaftliche Zusammenarbeit, kulturelle, sportliche und gesellschaftliche Begegnung. In der Hochphase der Corona-Pandemie im Frühjahr hat all dies schmerzlich gefehlt, denn der nationale und internationale Flugverkehr ist über weite Strecken und über mehrere Wochen zum Erliegen gekommen.

Eine solch radikale weltweite Zäsur hat es in der 100-jährigen Geschichte der zivilen Luftfahrt noch nie gegeben. Die Passagierzahlen in Deutschland lagen im April und Mai bei lediglich zwei Prozent der für diese Jahreszeit üblichen Werte. Trotz dieser verschwindend geringen Zahl an Passagieren und Flugbewegungen ist der Flughafen Düsseldorf seiner Verantwortung beigekommen und blieb auf Bitten der Politik als Teil der kritischen Infrastruktur des Landes Nordrhein-Westfalen über den gesamten Verlauf der Pandemie hinweg betriebsbereit.

Damit die Umsatzeinbrüche am Flughafen Düsseldorf – die Einhaltung der Betriebspflicht kostet den Airport monatlich rund zehn Millionen Euro – nicht zu dauerhaften Verlusten führen, hat das Unternehmen bereits die Weichen für die Zukunft gestellt und passt seine Strukturen, Prozesse und personellen Ressourcen den neuen Rahmenbedingungen an. Ziel ist es, langfristige Beschäftigungsperspektiven zu schaffen.

Luftverkehr und Tourismus sind tragende Säulen einer starken deutschen und europäischen Wirtschaft. Die umfangreichen Hilfen für die Lufthansa AG, die  Rettung der Condor GmbH und die finanzielle Unterstützung für den angeschlagenen Reiseanbieter TUI AG sind auch Ausdruck einer politischen Überzeugung, dass ohne eine starke Tourismus- und Luftverkehrsbranche eine Erholung der Wirtschaft kaum zu bewältigen ist.

Der Düsseldorfer Airport ist seit jeher wirtschaftlicher Leistungsträger für eine ganze Region und ökonomischer Motor für Nordrhein-Westfalen. Als Tor zu Europa verbinden wir den Standort NRW mit den globalen Wirtschaftsräumen. Die Metropolregion Rhein-Ruhr mit rund elf Millionen Einwohnern und Tausenden Unternehmen braucht auch in diesen turbulenten Zeiten einen leistungsfähigen Flughafen. Schließlich ist unser Ballungsraum vergleichbar mit den Großräumen London oder Paris. Neben seiner Funktion als Mobilitätsanbieter spielt unser Airport außerdem eine wichtige Rolle sowohl als Arbeitgeber als auch als Auftraggeber für die heimische Wirtschaft. Der Wertschöpfungsbeitrag für die gesamte Region ist bedeutend. Am Flughafen arbeiten Menschen in rund 200 Unternehmen und die Berufsvielfalt ist riesig. Im Umfeld sind indirekt mehr als 54.000 Arbeitsplätze vom Airport abhängig.

„Klar ist: Wächst der Luftverkehr, wächst auch die Wirtschaftskraft und damit der Wohlstand der Gesellschaft.“

Vor dem Hintergrund dieser wirtschaftlichen Bedeutung des Flughafens für die Stadt, die Region und das Land NRW stimmen die ersten positiven Signale vorsichtig optimistisch. Seit Anfang Juni nimmt der Flugverkehr schrittweise wieder Fahrt auf. Trotz aller fortbestehenden Einschränkungen hat Etihad Airways als erste Airline seit Juli wieder eine Langstreckenverbindung ab Düsseldorf im Programm und verbindet zweimal wöchentlich Abu Dhabi mit der NRW-Landeshauptstadt. Mit Air Dolomiti ist Ende Juli eine neue Fluggesellschaft ab Düsseldorf gestartet, die zweimal wöchentlich Verona im Flugplan hat. Darüber hinaus haben Eurowings und Ryanair/Laudamotion ihr Angebot seit August ab Düsseldorf mit vielen neuen Destinationen ausgebaut.

In diesem Jahr haben wir mit besonderer Vorfreude auf die Sommerferien geblickt. Für uns als Airportbetreiber ist es traditionell die aufregendste Zeit des Jahres. Bereits die Vorferienzeit war mit intensiven Bemühungen verknüpft: Mit einem umfangreichen Maßnahmenpaket zur Einhaltung von Maskenpflicht, Abstands- und Hygieneregeln haben wir uns gewissenhaft auf die Wiederaufnahme des Verkehrs vorbereitet – ein Kraftakt, der uns dank des eingespielten Zusammenwirkens aller Unternehmensbereiche gut gelungen ist. Unser oberstes Ziel ist der bestmögliche Infektionsschutz für Reisende und Mitarbeiter. Und auch während der Sommerferien hat sich erneut die operative Leistungsstärke des gesamten Flughafen-Teams gezeigt: In kurzer Zeit wurde im Terminal ein Corona-Testzentrum eingerichtet, das seit Ende Juli in Betrieb ist. Das Testzentrum wird betrieben durch die Kassenärztliche Vereinigung Nordrhein (KVNO) im Auftrag des Landes NRW. Im Zuge der seit Anfang August geltenden Testpflicht für Reiserückkehrer aus Risikogebieten wurden die Kapazitäten vor dem letzten Ferienwochenende ausgeweitet, um mehr Passagieren die Möglichkeit zu geben, sich direkt nach ihrer Ankunft am Airport testen zu lassen.

Aufgrund der derzeitigen Rahmenbedingungen fällt die Sommerferien-Bilanz an unserem Airport mit rund 10.000 Starts und Landungen und mehr als 930.000 Passagiere etwas positiver aus als vor Urlaubsbeginn prognostiziert. Hunderttausende Menschen in unserer Region sind unter Pandemie-Bedingungen in den Urlaub geflogen und haben Düsseldorf als Start und Ziel ihrer Reise gewählt. Trotz Kurzarbeit hat das gesamte Airport-Team mit hohem Engagement dazu beigetragen, dass der Ferienverkehr operativ nahezu reibungslos verlaufen ist. Darauf können wir alle zurecht stolz sein!

So verzeichneten wir zum Ferienende am Flughafen knapp 250 Starts und Landungen mit rund 30.000 Passagieren pro Tag. Dies entspricht rund einem Drittel des für diese Zeit üblichen Verkehrsaufkommens. Auch wenn die Entwicklung mit schrittweise steigenden Passagierzahlen in die richtige Richtung geht: Wir befinden uns erst am Anfang einer mehrjährigen Erholungsphase. Ein Vergleich mit Zahlen aus „normalen“ Sommerferien verdeutlicht dies: rund 700 tägliche Flugbewegungen mit bis zu 90.000 Passagieren.

Verlässliche Aussagen über eine Normalisierung des Flugverkehrs sind auch heute nicht möglich. Zu dynamisch entwickeln sich die internationalen Reisebedingungen und entsprechenden Streckenplanungen der Airlines, zu wenig prognostizierbar sind das Buchungsverhalten und die voraussichtlichen Zahlen der Fluggäste. Gleichzeitig haben wir in diesen Sommerferien erlebt, wie groß der Wunsch der Menschen ist, wieder zu reisen. Wir als größter NRW-Airport haben eine herausragende Bedeutung für die Erfüllung der Mobilitätsbedürfnisse der Bürgerinnen und Bürger und der Wirtschaft in unserem Bundesland. Klar ist: Wächst der Luftverkehr, wächst auch die Wirtschaftskraft und damit der Wohlstand der Gesellschaft. Und gerade jetzt brauchen wir alle diese Perspektive.