Von Prof. Dr. Gunther Olesch

Geschäftsführer bei der Phoenix Contact GmbH & Co. KG

Wir sind weltweit Marktführer und Innovationsträger in der Elektrotechnik. Und ein Familien-Unternehmen, das verantwortungsvoll Zukunft gestaltet. Phoenix Contact beschäftigt heute über 15.000 Mitarbeiter weltweit und hat einen Umsatz von knapp 2 Mrd. Euro erwirtschaftet.

Als Anbieter von Industrie 4.0 Produkten können wir uns als Fabrikausrüster und Anbieter von Automatisierungskomponenten für die Produktion von morgen positionieren. Mit unseren Produktionen können wir deutlich machen, dass wir nicht nur Kompetenz für die Herstellung der Komponenten besitzen, sondern auch etwas von deren Anwendung verstehen.

Was bringt uns Industrie 4.0?

Über diese Frage diskutieren und philosophieren sogenannte Fachleute in Talkshows und stellen Szenarien über menschenleere Hallen und Arbeitslosigkeit der breiten Öffentlichkeit vor. Studien skizzieren die „Schattenseite“ der vollständigen Vernetzung der industriellen Produktion und warnen davor, dass zukünftig gewisse Stellenprofile gar nicht mehr benötigt werden. Das verstärkt die bestehende Unsicherheit der Menschen in der Fertigung erst recht. Mitarbeiter haben Angst Ihren Arbeitsplatz zu verlieren und wehren sich inoffiziell dagegen.

Zusätzlich kommt hinzu, dass Industrie 4.0 kein klar zu formulierendes Ziel ist. Es ist vielmehr ein Weg, der zu beschreiten ist, dessen Ende nicht absehbar ist. Über 90 % der Mitarbeiter werden beim Thema Industrie 4.0 nicht ausreichend involviert. Gerade mal 6%, primär sind es Führungskräfte, beschäftigen sich mit dem Thema. Und wenn das Ziel nicht allen klar ist, muss das Management erst recht über jeden Schritt in die Zukunft informieren und die Mitarbeitenden partizipieren lassen.

Phoenix Contact stellt sich diesen Herausforderungen und hat einen ganzheitlichen und innovativen Ansatz entwickelt, um dieser Unsicherheit entgegenwirken zu können.

„Industrie 4.0 ist kein klar zu formulierendes Ziel. Es ist vielmehr ein Weg, der zu beschreiten ist, dessen Ende nicht absehbar ist.“

Was haben wir konkret gemacht?

Mit der aktiven Einbindung aller Beteiligten geht Phoenix Contact neue Wege, die bisher so nicht beschritten wurden. Die drei wichtigsten Maßnahmen sind: informieren, partizipieren, qualifizieren. Für die Mitarbeitenden wurde eigens eine Präambel definiert, die ihnen Sicherheit für ihren Arbeitsplatz und die Zukunft geben soll. Weitere Aktionen sind im Rahmen des Projekts „Arbeit 4.0“ umgesetzt worden. Es besteht hier eine enge Zusammenarbeit mit dem Betriebsrat und der IG Metall sowie dem Arbeitgeberverband. Der Betriebsrat wird regelmäßig über den aktuellen Status auf dem Laufenden gehalten. Die Geschäftsführung informiert die Mitarbeitenden auf der Belegschaftsversammlung, dem eigenen GF-Podcast und in der Mitarbeiterzeitung. Um mit den betroffenen Mitarbeitenden in den Austausch zu kommen, sind spezielle Workshops entwickelt worden. Wir investieren in die Zukunft: 35 Mio. € sind in ein neues Trainingcenter geflossen, mit dem Qualifizierungsschwerpunkt Digitalisierung.

Was sind die wichtigsten Erfolge des Projektes?

Durch das vertrauensvolle Zusammenspiel aller Akteure und Stakeholder empfinden alle Beteiligten die Vorgehensweise als Win-Win Situation. Durch das Alignement mit allen Beteiligten können wir uns auf die Weiterentwicklung des Unternehmens konzentrieren.

Ausgehend von der Spitze des Unternehmens, die jederzeit voll hinter der beschriebenen Vorgehensweise steht und damit einen wichtigen Hinweis für die Weiterentwicklung des Unternehmens gibt, konnte die Bereitschaft und die positive Einstellung unserer Mitarbeiter entwickelt werden, damit sie begeistert an die neuen Themen herangehen. Mitarbeiter erkennen Perspektiven für sich, wissen um die weiteren Schritte und was von ihnen verlangt und benötigt wird. Die Einbindung der Mitarbeiter baut Hemmnisse, Unsicherheiten und Ängste ab.

Mit diesem Projekt haben wir im Herbst 2017 den Deutschen Personalwirtschaftspreis in der Kategorie „HR-Organisation“ gewonnen.