von Ulrich Bönders

Geschäftsführender Gesellschafter Bönders GmbH Spedition

Es tut sich endlich etwas auf unseren überlasteten und teilweise maroden Verkehrsinfrastrukturen. Die Kehrseite ist aber: Die Anzahl der Baustellen ist dramatisch gestiegen. Und so wird es auch die nächsten 15 – 20 Jahre weitergehen. Die wichtigen Maßnahmen zur Instandhaltung und Engpassbeseitigung auf Straßen, Schienen und Wasserstraßen werden die NRW-Wirtschaft und ihre Logistikpartner noch viel Kapazitäten, Produktivität und Nerven kosten. Sie stellen in Zeiten des Fachkräfte- und auch Fahrermangels eine wesentliche Herausforderung dar und verteuern wichtige Logistikprozesse.

Angesichts der strukturellen Personal- und Kapazitätsengpässe ist es eine gemeinsame Aufgabe von Logistik, Industrie und Handel, bestehende Prozesse zu optimieren, z. B. im Hinblick auf unproduktive Zeiten für Logistikpersonal wie etwa Fahrer (Warte- und Durchlaufzeiten an Rampen, Terminals etc.). Auch die öffentliche Hand hat ihren Beitrag zu leisten. Durch geeignete Verkehrs-Verflüssigungsmaßnahmen, durch ein optimiertes Baustellenmanagement und durch eine noch bessere IT-gestützte Steuerung der Verkehrsströme.

Gemeinsam die Mobilität von morgen gestalten – das ist das Ziel des Bündnisses für Mobilität, das NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst am 22. Februar offiziell gegründet hat. Mehr als 60 Partner haben bei der Auftaktveranstaltung das Memorandum unterzeichnet, das als Basis für zukünftige Arbeit dient. Dazu gehören auch unternehmer nrw, der VVWL NRW e.V. und das Logistikcluster NRW. Das Bündnis fußt auf zwei Säulen: Zum einen wird die Aufgabe des Vorgängerbündnisses der alten Landesregierung, des „Bündnisse für Infrastruktur“, fortgeschrieben. Es gilt, das Bewusstsein für die Notwendigkeit von Infrastruktur in der Gesellschaft zu schärfen und Widerstände durch Aufklärung und Beteiligung zu reduzieren. Hinzu kommt nun: Um nachhaltige Lösungen zu erarbeiten, sollen von öffentlicher Hand, Wirtschaft und Bürgern gemeinsam die Chancen der Digitalisierung genutzt werden. So sollen die Potenziale der Digitalisierung für neue Mobilitätskonzepte erschlossen werden, um vernetzte Lösungen und Angebote für die Menschen in NRW zu schaffen.

„Die Arbeitsplätze und unser Wohlstand in NRW hängen entscheidend davon ab, dass die Güter- und Personenmobilität gewährleistet bleibt, ja verbessert wird.“

Die Arbeitsplätze und unser Wohlstand in NRW hängen entscheidend davon ab, dass die Güter- und Personenmobilität gewährleistet bleibt, ja verbessert wird. Dazu ist im Bündnis wie in der gesamten Landes-Verkehrspolitik und bei der Digitalisierung nicht nur die Personenmobilität wichtig, sondern es gilt, einen genauso großen Schwerpunkt auch auf die Gütermobilität zu legen.

Neben der Vernetzung der Mobilitätsangebote sowie der Warenströme ist ein Ziel des Bündnisses, Möglichkeiten für beschleunigte und vereinfachte Planungs- und Bauprozesse zu identifizieren. Auch die Entwicklung und Anwendung frühzeitiger Beteiligungsformate bei Infrastrukturvorhaben sollen vorangetrieben werden. Hier kann die Landesregierung sich der vollen Unterstützung der Wirtschaft und Logistikbranche bewusst sein, hier gilt es aber auch „zu liefern“.

Positiv ist, dass Wirtschaft, Unternehmen und auch Gewerkschaften sich immer mehr zur Bedeutung der Verkehrsinfrastruktur und zu den notwendigen Projekten für Arbeitsplätze und Wohlstand bekennen. Dies erfolgt auch durch „Flagge zeigen“ vor Ort, wie z. B. durch Initiativen wie das jüngst gegründete „Regionale Bündnis für Mobilität zum Lückenschluss A46/B7“ in Südwestfalen, durch bestehende Unternehmerinitiativen wie „B 64 Plus“ oder „B 67n“ oder im Rahmen eines Pilotprojekts des Bündnisses für Mobilität, der neuen Rheinquerung zwischen Niederkassel und Wesseling.

Auch in der aktuellen Diskussion um NO2-Emissionen und Diesel-Fahrverbote ist ein „Flagge zeigen“ von Wirtschaft und Logistikwirtschaft gefragt. Dies muss allgemein und auch vor Ort erfolgen – mit dem Ziel einer dreidimensional (ökonomisch, ökologisch und sozial) nachhaltigen Versorgung und Entsorgung unserer städtischen Räume, Häfen, Logistikknoten und Industriecluster.