Von Dr. Joachim Stamp MdL

stellv. Fraktionsvorsitzender der FDP NRW

Sie können bereits heute eine smarte Uhr kaufen, die ihren Träger vor einem akut bevorstehenden Herzinfarkt warnt. Adidas baut in Franken eine Fabrik zur vollautomatischen und digitalisierten Schuhproduktion auf. Damit entstehen Berichten zufolge 150 neue Arbeitsplätze in einem Produktionsbereich, der in der Vergangenheit vollständig nach China verlagert worden war. Und moderne Fahrassistenzsysteme steuern das Auto schon heute entspannt weiter, wenn der übermüdete Fahrer auf der Autobahn einschläft.

Diese vor einigen Jahren noch nach Zukunftsmusik klingenden Entwicklungen sind bereits in unserem Alltag angekommen. Welche Fortschritte durch Digitalisierung und Innovation noch vor uns liegen, sind heute noch gar nicht absehbar.

Die Beispiele zeigen, welche großen Chancen uns der technologische Fortschritt in allen Lebensbereichen eröffnet. Für jeden einzelnen Menschen, für die Wirtschaft, für die Gesellschaft.

Als Freie Demokraten wollen wir, dass wir diese Chancen auch nutzen. Unser Ziel ist nicht nur, dass das Leben der Menschen in NRW und in Deutschland durch den technologischen Fortschritt besser wird. Wir wollen, dass wir wieder zur Heimat von neuen Ideen und Innovationen werden.

„Unser Land steckt voller guter Ideen und kluger Köpfe. Zur Wahrheit gehört aber leider auch: Wir schöpfen unser Potential noch lange nicht aus.“

Hinter jeder guten Idee, jedem erfolgreichen Geschäftsmodell und jeder kreativen Erfindung stehen Menschen, die Zukunft gestalten wollen. Gründerinnen und Gründer, Forscher, Tüftler, Pioniere, die den Mut und den Ehrgeiz aufbringen, neue Ideen voranzubringen. Viele davon haben wir auch hier in Nordrhein-Westfalen.

Unser Land steckt voller guter Ideen und kluger Köpfe. Zur Wahrheit gehört aber leider auch: Wir schöpfen unser Potential noch lange nicht aus.

Wie die Kreditanstalt für Wiederaufbau in ihrem KfW-Gründungsmonitor 2017 aufweist, verzeichnete Deutschland im Jahr 2016 91.000 weniger Existenzgründungen als im Vorjahr. Und NRW spielt bei der Gründungsquote, bei Finanzierungschancen für neue Unternehmen und bei den Rahmenbedingungen für Bildung, Forschung und Digitalisierung bestenfalls im Mittelfeld.

Diese Zahlen verdeutlichen, dass Nordrhein-Westfalen auch im Bereich der Unternehmensgründungen einen Aufholprozess vor sich hat. Wir wollen mit einer klugen Gründungspolitik endlich die großen Potenziale unseres Landes in diesem Bereich nutzen und eine neue Gründerzeit in Nordrhein-Westfalen auf den Weg bringen mit dem Ziel, die gründerfreundlichsten Rahmenbedingungen zu schaffen und die Gründungsphase für alle so einfach wie möglich zu gestalten.

Um dieses Ziel zu erreichen, haben wir uns in den Koalitionsverhandlungen mit der CDU darauf verständigt, für Existenzgründer in NRW ein bürokratiefreies erstes Jahr einzuführen, in dem sie sich voll auf die Realisierung ihrer Unternehmensidee konzentrieren können und sich nicht mit der Bewältigung von bürokratischen Auflagen beschäftigen müssen. Außerdem wollen wir den kompletten Gründungsprozess vollständig digital über ein Online-Portal abwickeln und auch entsprechende Apps realisieren.

Darüber hinaus haben wir uns auf ein „Gründer-Stipendium NRW“ geeinigt. Mit 1.000€ monatlich wollen wir 1.000 Gründerinnen und Gründer im ersten Jahr unterstützen. Die Vergabe des Stipendiums wollen wir an hohe fachliche Anforderungen knüpfen und gleichzeitig durch eine zeitliche Befristung des Stipendienprogramms die Möglichkeit zur Evaluierung gewährleisten, um eine effektive und wirksame Förderung sicherzustellen.

Zusätzlich wollen wir Gründungs- und Wachstumsnetzwerke zwischen Startups, Unternehmen, Bildungseinrichtungen, Akzeleratoren, Business Angels, Wagniskapital-Fonds, Hochschulen, Forschungseinrichtungen, Technologiezentren und Verbänden aufbauen und hierfür sechs „Exzellenz-Startup-Center“ in erfolgsversprechenden Wissenschafts- und Innovationsregionen unseres Landes einrichten. Damit sollen Ausgründungen aus den Universitäten erleichtert und insgesamt die Eigeninitiative in unserem Land auf neue Füße gestellt werden.

Schließlich wollen wir, dass der Bezug zur Selbständigkeit in Nordrhein-Westfalen von klein auf eine neue Qualität erfährt: neben der Einführung eines Schulfaches „Wirtschaft“ an den Schulen wollen wir Initiativen fördern, die Schülerinnen und Schülern, Auszubildenden und Studierenden die Themen „Gründen“ und „Unternehmertum“ näherbringen. Mit diesen Maßnahmen wollen wir einen notwendigen Mentalitätswechsel unterstützen und so den Weg für eine neue Gründerzeit in Nordrhein-Westfalen ebnen.